Was tun, wenn die Schulden drücken?

25.04.2024
  • Private Schulden sind in Deutschland ganz normal – und vielfach auch erwünscht, sofern sie irgendwann beglichen werden.
  • Schätzungsweise mehr als 5,5 Millionen Menschen sind hierzulande überschuldet, bloß ein Bruchteil davon erhält Hilfe in der Schuldnerberatung.
  • Verbraucher*innen können bei Krediten günstigere Alternativen als den Dispo finden – und sich gegen unberechtigte Forderungen zur Wehr setzen.

Schulden gehören für viele Menschen in Deutschland so selbstverständlich zu ihrem Alltag wie das Abendbrot. Die allermeisten Verbraucher*innen haben schon einmal einen Dispo- oder Konsumentenkredit in Anspruch genommen. Zum Problem werden solche Verbindlichkeiten allerdings, wenn sie auch auf längere Sicht nicht mehr aus den laufenden Einnahmen oder aus Rücklagen abgebaut werden können.

So ergeht es Millionen Menschen. Mehr als 5,5 Millionen Bundesbürger*innen galten laut Schuldneratlas von Creditreform im Jahr 2023 als überschuldet. Es könnten sogar noch mehr sein, denn die genaue Zahl der Überschuldeten kennt eigentlich niemand. Die offizielle Datenlage ist dünn.

Klar ist: Millionen Menschen fehlt dauerhaft das Geld, um die offenen Rechnungen zu bezahlen. Für sie gibt es kein Auskommen mehr mit dem Einkommen. Manche Händler*innen oder Dienstleister*innen nehmen Verbraucher*innen mit knappem Budget auch an. Solange Schuldner*innen noch nicht zahlungsunfähig sind, lässt sich an ihnen nämlich gut verdienen.

Dispozinsen: Hohe Zinsen, gutes Geschäft

Viele Menschen, die mit ihrem Geld nicht gut auskommen, überbrücken finanzielle Engpässe mit einem Dispokredit von der Bank. Diese Kredite sind flexibel, aber sie haben ihren Preis. Derzeit liegen die Dispozinsen bundesweit durchschnittlich bei mehr als 12 Prozent. Das ist teuer für diejenigen, die sie in Anspruch nehmen (müssen). Und oft ein lukratives Geschäft für Banken.

Selbst als es für Kund*innen längst fast keine Zinsen mehr auf ihre Sparguthaben gab, in der Corona-Pandemie im November 2020, verlangten Banken und Sparkassen im Durchschnitt noch knapp 10 Prozent für Dispokredite. Das ergab damals eine Marktübersicht von Finanzwende.  

Tatsache ist: Dispositionskredite sind schnell verfügbar, aber typischerweise auch teurer als ein Rahmen- oder Ratenkredit. Für die Banken lohnt sich das Geschäft mit dem flexiblen Kredit. Sie bitten auf diese Weise aber auch besonders jene zur Kasse, die finanziell ohnehin knapp aufgestellt sind.

Wer kurzfristig Geldbedarf hat, fährt oft mit einem schlichten Rahmenkredit besser als mit dem Dispo, ermittelte die Stiftung Warentest bei einer Befragung unter 180 Anbieter*innen. Er ist ebenso flexibel, wird aber seltener angeboten. Die Alternative für größere Darlehen ist ein günstiger Ratenkredit. Die unabhängigen Warentester weisen typische Angebote etwa für 5.000 oder 10.000 Euro monatlich aktuell recherchiert auf test.de aus.

Bei Ratenkrediten kommt es allerdings zunehmend auch darauf an, wie die Banken die Bonität des*der Kreditnehmer*in einschätzen. Wer als unsichere*r Schuldner*in gilt, zahlt höhere Kreditzinsen. Die FMH-Finanzberatung bietet einen aktuellen Ratenkredit-Vergleich, der die persönliche Einschätzung des*der Kund*in zu ihrer Bonität gleich mit berücksichtigt.


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Inkasso: Wie aus Mini-Gebühren schnell Kosten werden

Wer offene Rechnungen nicht bezahlt, erhält oft Post von Inkassounternehmen – zum Beispiel von der Firma EOS, einer Tochter der Hamburger Otto Gruppe, die zu den großen Playern im deutschen Markt gehört. Sie nutzte jahrelang umstrittene Geschäftspraktiken wie das sogenannte Konzerninkasso. So verwandelte der Konzern relativ kleine Mahngebühren von 2 oder 3 Euro massenhaft zu saftigen Inkassokosten von bis zu 76 Euro. Mittlerweile liegt der Fall vor dem Bundesgerichtshof.

Inkassokosten können also teuer werden. Das schmerzt naturgemäß vor allem jene, die ohnehin mit ihren Rechnungen in Verzug sind und wenig haben. Lesen Sie, wie man sich gegen unberechtigte Forderungen zur Wehr setzt.

Schuldnerberatung: Hoher Bedarf, geringes Angebot

Wer ernsthaft in Schwierigkeiten gerät, laufende Rechnung zu bezahlen, sollte sich möglichst frühzeitig Hilfe bei einer Schuldnerberatung suchen. Wenn sie kostenlos sein muss, ist das allerdings nicht immer einfach. Deutschlandweit gelten ganz unterschiedliche Regeln, wer kostenlose Beratung erhalten kann.

Im Prinzip gilt: Menschen, die Sozialhilfe oder Altersgrundsicherung beziehen, werden überall umsonst beraten. Im Umkehrschluss heißt das aber auch: Erwerbstätige, Rentner*innen oder Selbstständige mit Schulden müssen vielerorts für die Beratung zahlen.

Dennoch berichten viele Beratungsstellen von steigendem Andrang. Wie viele Menschen genau bei Beratungsstellen anklopfen, bleibt jedoch unklar. Schätzungen zufolge sind bundesweit weniger als 10 Prozent der überschuldeten Menschen in Beratung. Kein Wunder – so lange Menschen in finanzieller Not dafür zahlen müssen, dass sie aus ihren Schulden herauskommen.

Finanzwende setzt sich deshalb gemeinsam mit anderen Organisationen schon seit Längerem für ein Recht auf kostenlose Schuldnerberatung für alle ein.


Unterm Strich: Tipps und Tricks

Verbraucherproblem: Viele Menschen haben Probleme mit Schulden oder können ihre laufenden Rechnungen dauerhaft nicht mehr zahlen. Hohe Kreditzinsen lassen den Schuldenberg dann häufig immer weiter anwachsen. Wer frühzeitig Angebote vergleicht, findet oft günstigere Alternativen als den Dispo.

  • Alternativen zum Dispo suchen: Vermeiden Sie es, Ihren Dispokredit über längere Zeiträume zu nutzen, weil dafür üblicherweise hohe Kosten anfallen. Raten- und Rahmenkredite sind normalerweise günstiger. Es macht häufig Sinn, sich nach alternativen Angeboten umzuschauen.
  • Inkassokosten prüfen: Inkassokosten können zu hoch oder gänzlich unberechtigt sein. Zahlen Sie nicht blindlings, sondern prüfen Sie die Forderung erst in Ruhe. Hilfe bietet der Inkasso-Check der Verbraucherzentralen.  
  • Schuldnerberatung möglichst frühzeitig aufsuchen: Wenn Ihnen die Schulden über den Kopf zu wachsen drohen, suchen Sie sich Hilfe bei einer anerkannten Schuldnerberatung. Warten Sie damit nicht zu lange, denn bei der Terminvergabe kann es dauern. Hier finden Sie die nächste Beratungsstelle in Ihrer Nähe.