Antwort der Banken und Verbände

Was Banken und Sparkassen auf unsere offenen Briefe zu hohen Dispozinsen antworten

30.06.2020
Ein herabzeigender Pfeil auf ein Prozentzeichen. Dazu der Kampagnenslogan "Dispozins runter!" und "Update"
  • Finanzwende wirkt – auch beim Thema Dispozinsen. Wir sind mit ersten Erfolgen aber noch lange nicht zufrieden.
  • Immerhin zwei Institute wollen den Dispozins reduzieren oder haben dies bereits getan.
  • Noch immer verlangen viele Institute trotz der Corona-Krise von ihren Kunden zehn Prozent und mehr für einen Dispokredit.

In offenen Briefen hatten wir im Mai bei den zentralen Bankenverbänden und besonders auffälligen Kreditinstituten hohe Dispozinsen bemängelt. Wir forderten eine Abkehr von der Praxis, Bankkunden in der derzeitigen Lage - hohe Kurzarbeiterzahlen, steigende Arbeitslosigkeit - über Gebühr zu belasten. Als Reaktion erhielten wir mehrere Nachrichten von Einzelinstituten, sei es per E-Mail, Brief oder auf indirektem Weg über die Lokalpresse. Die Antworten fielen sehr unterschiedlich aus.

Die Reaktionen der besonders auffälligen Banken 

Vorneweg ist die Raiffeisenbank Küps-Mitwitz-Stockheim zu nennen, die schon im Mai aufgrund unseres Briefes den Dispozins senkte. Auch die Raiffeisenbank Aitrang-Ruderatshofen kündigte an, den Zinssatz zu reduzieren. Ein Erfolg für unsere Arbeit.

Andere Banken dagegen zeigten sich wenig einsichtig. Die Volksbank Dreieich spricht einem Zeitungsbericht zufolge bei 12,9 Prozent von marktgerechten Zinskonditionen. Sie behauptet, man setze auf Vorbeugung, um Engpässe zu verhindern. Wie solche vorbeugenden Maßnahmen in der Corona-Zeit gelingen sollen, wird im Bericht jedoch nicht näher erläutert und bleibt für uns unklar. Die Volksbank Landsberg-Ammersee argumentiert laut Lokalpresse, man wolle, dass sich die Menschen intensiv mit ihren Finanzen auseinandersetzen und habe günstigere Kredite im Angebot.

Die Rosbacher Raiffeisenbank reagierte auf unser Anschreiben mit einem Brief. Darin wird unter anderem aufgeführt, man brauche den „teuren Zins“ (13 Prozent), um die Kundschaft „neu zu strukturieren“. Von der teuersten Bank beim Dispo, der Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost, werden 13,75 Prozent Dispozinsen insbesondere damit erklärt, dass man Kunden keine Anreize für die Überziehung des Kontos bieten wolle und eine Dispofalle verhindern möchte.

Aus Sicht von Finanzwende funktioniert die Dispofalle allerdings anders. Gerade in Zeiten von Corona ist der Rückgriff auf den Dispokredit für manche Menschen leider nicht zu verhindern. Zinsen unterhalb der 10-Prozent-Marke sind noch längst kein Anreiz zur Überziehung. Vielmehr sorgen Zinssätze von 13,75 Prozent dafür, dass Menschen in Not über Gebühr belastet werden und sich im schlimmsten Fall überschulden. Das ist die Dispofalle. Doch darüber will sich die Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost offenbar keine Gedanken machen. Weitere Institute wollten – teilweise trotz Ankündigungen – dann doch keine Stellungnahme abgeben oder beriefen sich auf die „zentrale“ Antwort der Bankenverbände, auf die im Folgenden ausführlicher eingegangen wird.

Die Antwort der Verbände

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) hat am 20. Mai stellvertretend für die Deutsche Kreditwirtschaft auf unseren offenen Brief zum Thema Dispozinsen reagiert. Dies gilt es anzuerkennen: Immerhin versuchen die Verbände nicht, das Problem einfach totzuschweigen. Das soll es dann aber auch schon an Lob gewesen sein.

Denn schon der Einstieg ihres Briefes wirkt wie eine Werbeveranstaltung. Die Kreditwirtschaft feiert sich mit Punkten, die nichts direkt mit dem Thema Dispokredite zu tun haben und die wir weitgehend auch gar nicht in Abrede stellen. Erst in der Folge geht es um die eigentliche Thematik. Allerdings werden auch hier Selbstverständlichkeiten dargelegt. Was fehlt ist eine fundierte Begründung, warum Banken und Sparkassen trotz niedrigen Zinsniveaus und Corona noch Dispozinsen von 10 Prozent und mehr verlangen.

Nehmen wir einmal das Beispiel Kosten: Wir hatten bereits in unserem offenen Brief anerkannt, dass Banken und Sparkassen bei der Gewährung eines Dispokredits natürlich Kosten entstehen und dieser Posten je nach Bank unterschiedlich hoch ausfallen kann. Aber Dispozinsen von 10 Prozent und mehr sind aus unserer Sicht derzeit nicht zu rechtfertigen, egal ob nun Groß- oder Regionalbank. Es sind uns nämlich auch keine Banken bekannt, bei denen deutlich mehr als ein Prozent der Kunden ihren Kredit nicht zurückzahlen konnten. Die Ausfallquoten scheinen also überschaubar. Zudem fallen kaum Kosten für die Refinanzierung des Geschäfts an, denn die aktuellen Einlagenzinsen für die Kundschaft (beispielsweise für das Tagesgeldkonto) liegen in aller Regel unter einem Prozent, oft sogar bei null Prozent.

Den Rückgriff auf die Freiheit des Marktes können wir ebenfalls nicht nachvollziehen. Die bundesweite Marktanalyse der Dispozinsen zeigt ja gerade, dass der Markt nicht funktioniert. Wie sonst wäre eine Spanne von 0 bis 13,75 Prozent zu erklären? Wie kann es sein, dass einige Regionalbanken unter fünf Prozent Dispozinsen bei allen Konten verlangen, während andere fast das Dreifache aufrufen? Hier haben verletzliche Kunden keine Marktmacht, vor allem in ländlichen Regionen. Genau deshalb appellieren wir an Banken und Sparkassen, in dieser schwierigen Zeit etwas zu unternehmen.

Es gibt also keinen inhaltlichen Ansatzpunkt, der diese Zinssätze für Menschen rechtfertigen könnte, die besonders von der Corona-Krise betroffen sind. Und so zieht die Kreditwirtschaft einen verfahrenstechnischen Joker, um sich aus der Verantwortung zu ziehen: Man dürfe aufgrund des Kartellrechts keine Empfehlung geben. Tatsächlich stellt das Kartellrecht strenge Vorgaben. Das kartellrechtliche Argument der Kreditwirtschaft erscheint uns dennoch vorgeschoben, da sich die Bankenverbände auch auf kartellrechtlich zulässige Weise für eine Senkung der Dispozinsen bei ihren Mitgliedern einsetzen könnten. Dies will die Deutsche Kreditwirtschaft aber offensichtlich nicht.

Aus diesem Grund werden wir diesen Job nun übernehmen - und uns noch stärker darauf fokussieren, Einzelunternehmen zu niedrigeren Dispozinsen zu bewegen. 

Fazit

Die Antworten der Einzelinstitute und der Verbände hinterlassen gemischte Gefühle. Wir konnten mit der Kampagne etwas erreichen – zwei Banken reduzieren ihren Dispozinssatz. Von den Antworten der Kreditwirtschaft und weiterer Einzelinstitute sind wir dagegen enttäuscht und sehen keine Argumente, die unserer Forderung entgegenstehen. Banken und Sparkassen sollten in der derzeitigen Krise ihre Dispozinsen auf unter 10 Prozent senken, um ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden.

Wir bleiben an dem Thema dran. Zufrieden sind wir trotz erster Erfolge mit der Situation nicht – so viel ist sicher.

 

Hier geht es zu unserer Kampagne

Ein herabzeigender Pfeil auf ein Prozentzeichen. Dazu der Kampagnenslogan "Dispozins runter!"

Dispozins runter!

Hohe Dispozinsen können in der Corona-Krise unverschuldet zu einer finanziellen Überlastung von Menschen beitragen und in die Überschuldung führen. Dispozinsen von zehn Prozent und mehr sind nicht zu rechtfertigen. Finanzwende fordert die Banken und Sparkassen auf, diese Praxis einzustellen.
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