Offener Brief an den Vorstand der Daimler AG

Aufforderung zum Stopp der geplante Gewinnausschüttung in Krisenzeiten

22.03.2021

An:

Daimler AG
Vorsitzender des Vorstands Herrn Ola Källenius
70546 Stuttgart

Offener Brief: Geplante Gewinnausschüttung trotz Staatshilfen

Sehr geehrter Herr Källenius,

im letzten Jahr mobilisierte die Bundesregierung Hilfen in Milliardenhöhe für die Wirtschaft. Auch Daimler ist nicht selbstständig durch diese Krise gekommen. Bereits im April 2020 forderten Sie sogar eine staatlich finanzierte Kaufprämie für Autos, die Ihren Absatz fördern sollte. Im Februar 2021 erklärten Sie, abgesehen von dem Kurzarbeitergeld seien keine Subventionen benötigt gewesen, um durch die Krise zu kommen. Neben den staatlichen Zuschüssen zur Kurzarbeit profitierten Sie aber auch von der Lkw-Kaufprämie sowie der kurzfristig erhöhten Förderung für E-Autos.

Trotzdem wollen Sie 1444 Millionen Euro für das letzte Geschäftsjahr an Ihre Aktionäre ausschütten. Im Ergebnis werden so Steuergelder, die Beschäftigung sichern und Pleiten verhindern sollten, als Gewinnausschüttungen an Aktionäre weitergeleitet. Wir halten das für inakzeptabel. Ein solches Verhalten verhöhnt die Bereitschaft zur Solidarität, ohne die eine Gesellschaft eine Krise nicht gemeinsam bewältigen kann.

Wenn Sie Ihre Pläne umsetzen, werden die deutschen Steuerzahlerinnen in diesen Krisenzeiten dazu beitragen, dass die Investoren eine um 50 Prozent höhere Gewinnausschüttung erhalten als im Vorjahr. Die Steuergelder würden überwiegend an ausländische Investoren wie den Staatsfonds von Kuwait, den chinesischen Unternehmer Li Shufu und die chinesische BAIC Group weitergeleitet werden. Und dabei steht der Börsenkurs Ihres Unternehmens sowieso schon deutlich höher als vor der Corona-Krise. Während viele Ihrer Beschäftigten aufgrund der Kurzarbeit 2020 Einkommensrückgänge zu verkraften hatten, blieben Ihre Aktionäre von der CoronaKrise also weitgehend verschont.

Doch es ist nicht nur aus moralischer Sicht verwerflich, dass Sie trotz staatlicher Hilfen in dieser Krise Gewinne ausschütten wollen. Auch betriebswirtschaftlich sollte ein Unternehmen, das so schnell nach staatlicher Unterstützung gerufen hat, das Geld lieber zusammenhalten. Die Corona-Krise ist noch nicht überwunden. Hinzukommt: Daimler wird in den kommenden Jahren auf vielfältige Art und Weise mit großen Umbrüchen im Mobilitätsbereich konfrontiert sein. Hier besteht großer Investitionsbedarf. Kurzum: Es ist keine Dividendenzeit, Herr Källenius, es ist Lockdownzeit. Stoppen Sie die geplante Ausschüttung!

Wir bitten Sie um eine Reaktion auf unsere Aufforderung bis zum 29. März 2021. Wir behalten uns vor, Ihre Antwort auf diesen Brief zu veröffentlichen, damit sich alle ein Bild von Ihrer hoffentlich positiven Rückmeldung machen können.

Mit freundlichen Grüßen

Lena Blanken                                                            Gerhard Schick
Leiterin Kampagnen                                              Vorstand Finanzwende

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