Keine Nachhaltigkeit ohne Transparenz: die neuen Grundsätze der VBL-Anlagepolitik

Eine Bewertung von SustainVBL und der Bürgerbewegung Finanzwende

22.02.2022
Der deutsche Wappenadler pickt in die Erdkugel. Darunter der Slogan "Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder for Future?"

Hintergrund: Nachhaltigkeitsaspekte finden in der Kapitalanlage der VBL nun Berücksichtigung.

Am 5. Januar 2022 veröffentlichte der hauptamtliche Vorstand der VBL neue Grundsätze zur Anlagepolitik. SustainVBL und die Bürgerbewegung Finanzwende können hier erste Erfolge verzeichnen: Die VBL erkennt nun die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Kapitalanlage als „Teil der treuhändischen Verantwortung im Sinne der Versicherten und Arbeitgeber“ an. Im Vergleich zur vorherigen Strategie sollen zukünftig „Firmen mit einem überwiegend kohle-basierten Geschäftsmodell“ aus dem Portfolio ausgeschlossen werden und der Engagement-Ansatz wurde um eine ESG-Integration und Impact Investment ergänzt. Jedoch sind die ökologischen und sozialen Standards immer noch unzureichend und die VBL scheint weiterhin nicht gewillt, ihre Transparenz zu verbessern.

Als SustainVBL und Finanzwende fordern wir:

  1. Die Transparenz über alle Anlagen der VBL,
  2. die Ausarbeitung von verpflichtenden sozialen und ökologischen Standards und
  3. den Ausschluss von Investments in fossile Energieträger und Kernenergie aus dem Portfolio der VBL, inklusive dem Ausschluss von Kohleunternehmen ab einem Schwellenwert von 10 Prozent Umsatz mit Kohle bis 2023.

Die neue Anlagestrategie der VBL erfüllt nur einen Bruchteil unserer Forderungen.

Soziale und ökologische Standards sind noch immer unzureichend.

Wir begrüßen die Bemühungen der VBL für ein nachhaltigeres Investment. Allerdings sind die Vorgaben der Anlagepolitik zu vage. Der Ausschluss von Unternehmen, die die ILO-Kernarbeitsnormen verletzen, ist wichtig. Allerdings ist weiterhin unklar, wie diese Unternehmen identifiziert und welche Unternehmen tatsächlich ausgeschlossen werden. Bei der ESG-Integration wäre es für die Versicherten essentiell zu wissen, welches Rating angewandt und welche Richtlinien angelegt werden. Auch die Bewertung des Engagement-Ansatzes hängt von der genauen Ausgestaltung des Engagements ab: An wen werden die Stimmrechte übergeben? Anhand welcher Kriterien erfolgt die Abstimmung? Welche Anträge werden eingebracht? Wie verhält sich die VBL, wenn ihr Engagement bei einer Firma nicht zum gewünschten Erfolg führt? All diese Fragen bleiben in den Grundsätzen zur Anlagepolitik bislang unbeantwortet.

Hier geht es zu unserer Kampagne

Der deutsche Wappenadler pickt in die Erdkugel. Darunter der Slogan "Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder for Future?"

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Investments in fossile Energieträger werden nicht grundsätzlich ausgeschlossen.

Der Ausschluss von Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf Kohle basiert, ist ein guter Ansatz. Anfang 2022 hat die VBL ihre neuen Anlagekriterien veröffentlicht. Darin erklärt sie, bis 2025 aus Unternehmen auszusteigen, die mehr als 40 Prozent ihres Umsatzes mit Kohle machen. Das ist auch ein erster Erfolg der Kampagne von Finanzwende und SustainVBL. Inzwischen hat die VBL angekündigt, diesen Grenzwert in einem zweiten Schritt auf 25 Prozent abzusenken. Zudem will die VBL ihre entsprechenden Kohleinvestments schon bis Ende 2022 und nicht erst bis 2025 zurückführen. Damit bewegt sich die VBL in die richtige Richtung und der Fall zeigt, dass unsere Arbeit zu realen Veränderungen beiträgt. Um Kohle effektiv auszuschließen, dürfte der Schwellenwert aus unserer Sicht allerdings höchstens bei zehn Prozent liegen. Denn bei einer 25 Prozent Grenze kann die VBL an den Investments in deutsche Energieversorgungsunternehmen festhalten. RWE – größter CO2 Emittent Europas – liegt mit 23 Prozent kohlebasiertem Umsatz zum Beispiel knapp unter der neuen Grenze. Womöglich muss die VBL mit diesem Schwellenwert also gar nicht so viel an ihrem Portfolio ändern.  Investments in Erdöl und Erdgas sind nach den neuen Grundsätzen weiterhin erlaubt. Diese Investmentstrategie ist absolut inkompatibel mit der Aussage der VBL, „der Klimawandel [sei] eines der dringlichsten Kernthemen“ ihrer strategischen Anlagepolitik.

Ohne Transparenz kann es keine Nachhaltigkeit geben.

Vor allem ist weiterhin völlig unklar, in welche Unternehmen das Kapital der VBL angelegt wird. Die VBL schafft auch keine Transparenz über die genaue Ausgestaltung ihrer Nachhaltigkeitsbestrebungen. Aus diesem Grund ist die Wirksamkeit des Engagement-Ansatzes, der ESG-Integration und des Impact Investments nur schwer zu beurteilen. So bleibt im Dunkeln, ob, wie und mit welchem Erfolg die neue Nachhaltigkeitsstrategie ihrem Anspruch „der treuhändischen Verantwortung im Sinne der Versicherten und Arbeitgeber“ tatsächlich gerecht werden kann.

Anmerkung: Vom 22.02.2022 bis zum 02.03.2022 stand an auf dieser Seite, dass "über 140" Unternehmen auf der Coal Exit List von urgewald e.V. stehen. Diese Zahl wurde auf 492 Unternehmen aktualisiert.

Eine gemeinsame Bewertung von

Logos Finanzwende und SUSTAINVBL