Standpunkt: Riester-Rente gehört endlich abgeschafft

11.05.2022
Britta Langenberg

Britta Langenberg ist Versicherungsexpertin bei Finanzwende und betreut den Bereich Verbraucherschutz sowie Versicherungs- und Vorsorgethemen. Sie ist gelernte Wirtschaftsjournalistin und hat lange für renommierte Magazine gearbeitet, etwa für Finanztest (Stiftung Warentest) und Capital. 

Vergesst die lange Bank! Erledigen durch Liegenlassen funktioniert nicht. Die Regierung muss die Riester-Rente abschaffen.

Vor genau einem Jahr standen wir mit einer Verbraucherallianz vor dem Bundeskanzleramt. Damals lag der politische Startschuss für die Riester-Rente exakt 20 Jahre zurück. Wir forderten im Bundestagswahlkampf gemeinsam mit dem Bund der Versicherten und dem Verbraucherzentrale Bundesverband einen Stopp der Riester-Rente. Das Echo war beträchtlich.

Anstatt die unreformierbare Riester-Rente endlich abzuschaffen, setzt sie nun aber wohl auf das Prinzip „Erledigen durch Liegenlassen“.

Und tatsächlich kündigte die Ampel-Koalition an, die private Vorsorge grundlegend zu reformieren. Anstatt die unreformierbare Riester-Rente endlich abzuschaffen, setzt sie nun aber wohl auf das Prinzip „Erledigen durch Liegenlassen“. Den Preis dafür zahlen junge Vorsorgesparer.

Es ist das ewige Elend der Altersvorsorge: Alle finden das Thema wichtig, alle schmieden Pläne, und dann passiert – genau: nichts. Jedenfalls kündigte der sozialpolitische Sprecher der FDP im Bundestag, Pascal Kober, jüngst an, in diesem Jahr würde es mit der Neugestaltung der privaten Vorsorge nichts mehr.

Es ist eine liebgewonnene Illusion der Politik, dass ja immer noch genug Zeit bleibt in Sachen Vorsorge.

Es ist eine liebgewonnene Illusion der Politik, dass ja immer noch genug Zeit bleibt in Sachen Vorsorge. Die Bundesregierung hat die Riester-Rente vor gut zwei Jahrzehnten aus der Taufe gehoben, endlos reformiert – und muss nun konstatieren, dass das Konzept nicht funktioniert. Vorsorgen sollen die Bürger aber weiterhin. Nur wie denn eigentlich?

Sparerinnen und Sparer verweigern sich längst den Kapriolen der Politik und der Anbieter. Selbst die Bestandszahlen der Riester-Rente sinken beständig – allein im vergangenen Jahr wieder um 158.000 Verträge. Die Verträge sind sehr häufig zu teuer, zu ineffizient und mitunter auch unfair. Und die Renten bislang überschaubar. Das alles hat sich herumgesprochen.

Den Preis für die Verschleppung dieses Problems bezahlen die Jungen, die fürs Alter selbst vorsorgen wollen.

Den Preis für die Verschleppung dieses Problems bezahlen die Jungen, die fürs Alter selbst vorsorgen wollen (und laut Staat auch sollen) – aber im Klammergriff von Niedrigzinsen und Inflation nicht wissen, wie sie das umsetzen können. Je später der Staat ein Instrument dafür schafft, desto größer werden ihre Vorsorgelücke und der Vorsorgefrust.

Es ist also sehr wohl im Gemeininteresse, jetzt zügig ein kostengünstiges und staatlich organisiertes Vorsorgeprodukt bereitzustellen – und wohlgemerkt: auch im Interesse der Bundesregierung.