Keine Geschenke für Banken, Herr Lindner!

16.08.2022
  • Die Bankenrettungen im Rahmen der Finanzkrise kamen die Steuerzahlenden teuer zu stehen. Insgesamt kosteten uns die direkten Maßnahmen über 70 Milliarden Euro.
  • Trotzdem gibt es offenbar Überlegungen, Banken lieber 2,3 Milliarden Euro aus einem deutschen Bankenrettungsfonds zu schenken, anstatt die Institute an den Kosten zu beteiligen.
  • Wir haben im Rahmen einer Aktion vor dem Finanzministerium deutlich gemacht, dass es keine Geschenke an die Banken geben sollte.

An vielen Stellen geht es derzeit beim Bundeshaushalt ums Sparen. Sogar bereits bewilligte Forschungsprogramme sind der Sparwut zum Opfer gefallen. Indes können deutsche Banken auf großzügige Geldgeschenke vom Staat hoffen. Die Bundesregierung könnte auf Vorschlag des Finanzministeriums Banken Milliarden überlassen. Das wollen wir verhindern!

Über 70 Milliarden Euro Rettungskosten

Aber von vorne: Im Zuge der Finanzkrise 2007/2008 wurden zahlreiche Banken mit Steuergeld gerettet oder stabilisiert. Institute wie die Hypo Real Estate, von denen zuvor kaum ein Mensch gehört hatte, waren plötzlich „systemrelevant“: Rettung „alternativlos“.

Die Kosten aller Rettungsaktionen liegen bei über 70 Milliarden Euro. 22,8 Milliarden Euro Schulden hat der zur Bankenrettung gegründete Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) zu Ende 2021 noch immer.

Damit die Banken sich zukünftig zumindest zum Teil selber retten können, rief der Bund den nationalen Restrukturierungsfonds ins Leben. Zwischen 2011 und 2014 zahlten Kreditinstitute dort rund 2,3 Milliarden Euro ein. Geld, das dem Bund nun wieder zur Verfügung steht, denn 2015 wurde der nationale durch einen europäischen Rettungsfonds abgelöst. Und da dieser bald sein Finanzierungsziel erreicht hat, muss das Geld nicht weiter auf der hohen Kante liegen.

BMF-internes Gutachten für Schuldentilgung

Wohin jetzt mit den freigewordenen 2,3 Milliarden? Einige Banken schreien bereits laut „Hier!“ und fordern das Geld zurück. Das ist angesichts des riesigen Schadens, den die Finanzwelt in der Finanzkrise angerichtet hat, unverschämt.

Aus Sicht von Finanzwende ist klar: Die Mittel sollten zur Schuldentilgung eingesetzt werden. Zumal diese Tilgung, auch juristisch gesehen, der beste Weg ist. Zu diesem Ergebnis kommt ein vom Finanzministerium in Auftrag gegebenes Gutachten. Demnach haben die Banken nicht nur keinen Anspruch auf die Mittel. Der Bund dürfe das Geld aufgrund des Beihilferechts überhaupt nicht an Finanzinstitute zurückzahlen. Stattdessen müsste die Verwendung der Mittel „gruppennützig“ sein. Die einzige plausible Verwendungsmöglichkeit laut Gutachten: die teilweise Tilgung der Schulden des SoFFin.

Frage der Gerechtigkeit

Offenbar entscheidet schon in Kürze das Bundeskabinett auf Vorschlag des Finanzministeriums, was mit dem Geld passiert. Deshalb sind die Banken eifrig am Lobbyieren. Finanzwende will eine Fehlentscheidung verhindern und hat deshalb eine Aktion vor dem Finanzministerium durchgeführt. Wir haben die Wahl von Christian Lindner symbolisch nachgestellt. Er kann nun in Richtung von Geschenken für Banken gehen oder zumindest für etwas Gerechtigkeit in Folge der Finanzkrise sorgen. Denn der Finanzminister kann federführend entscheiden und dabei zeigen, welche Interessen er mehr beachtet: die der Banken, oder die der Steuerzahlenden.

Eigentlich sollte Christian Lindner bei der Entscheidung keine Schwierigkeiten haben. Die Bankenrettungen haben die deutschen Steuerzahlenden Milliarden gekostet und waren für den deutschen Staat ein gigantisches Verlustgeschäft. Das Geld aus dem Restrukturierungsfonds bietet nun die Möglichkeit, die Banken zumindest zu einem kleinen Teil an den Kosten der Finanzkrise zu beteiligen. Herr Lindner muss diese Chance nutzen und sich jetzt im Sinne der Steuerzahlenden entscheiden. Alles andere wären unrechtmäßige Geschenke für Banken!