MLP und das Netzwerk Hochschulinitiative Deutschland

Wie sich der Finanzmakler MLP die Hochschulinitiative Deutschland zu Nutze macht und fragwürdige Finanzverträge an Studierende vermittelt

30.01.2020

Provisionsorientierte Finanzvertriebe zielen verstärkt auf Studierende als Kundengruppe. Besonders aktiv ist hierbei der Finanzmakler MLP. Der Wieslocher Konzern nutzt den öffentlichen Raum der Hochschulen und ein Netzwerk aus dem laut Satzung gemeinnützigen Verein Hochschulinitiative und mehreren Unternehmen, um gezielt Studierende anzusprechen und als Kundinnen zu gewinnen.

(Update vom 14.02.2020: Der Verein Hochschulinitiative ist mittlerweile aufgelöst. Die Webseite Hochschulinitiative Deutschland bleibt jedoch bestehen und wird von einer GmbH weiterbetrieben.)

Studierende sind immer öfter das Ziel bedenklicher Anwerbestrategien von Finanzmaklern. Besonders problematisch geht hierbei der Finanzmakler MLP vor. Das Wieslocher Finanzunternehmen MLP macht sich ein fragwürdiges Netzwerk zu Nutze, bestehend aus der Hochschulinitiative Deutschland  und Partnerunternehmen, um den Kontakt zu ihrer Hauptzielgruppe – Studierenden – aufzubauen. Außerdem verfügt MLP über einen direkten Zugang zu Hochschulen, die sich das Unternehmen durch Kooperationen, zum Beispiel mit Career-Centern, aufgebaut hat.

Deutschlandweites Netzwerk und fragwürdige Zusammenarbeit

MLP hat in allen großen Hochschulstandorten Deutschlands sogenannte Hochschulteams im Einsatz. Diese bestehen aus MLP-Beraterinnen und sind darauf spezialisiert, junge Akademiker zu gewinnen. Hierbei nutzt MLP das Vertrauen der Studierenden in die öffentliche Institution der Hochschule, um Kundinnen für den Abschluss von häufig langjährigen Finanzprodukten zu gewinnen. Das geschieht durch eine Ansprache vor Ort auf dem Campus und online über ein fragwürdiges Affiliate-Netzwerk. Das Prinzip ist stets das gleiche: Studierenden werden als kostenfrei beworbene Workshops und Kurse angeboten, wie etwa Bewerbungstrainings, eine Einführung in das Datenverarbeitungsprogramm Excel, Gehaltsverhandlungen für Berufseinsteiger oder Rhetoriktrainings. Auch Protokolle für die Facharztprüfung oder das Staatsexamen Medizin werden von MLP “verliehen”. Wer an einem Kurs teilnimmt und mit einer Kontaktaufnahme einverstanden ist, kann sich unversehens in einem Verkaufsgespräch mit einer MLP-Beraterin wiederfinden.

Es ist höchstproblematisch, wenn ein privatwirtschaftliches Unternehmen einen Verein nutzt, um sich neue Kundengruppen zu erschließen. Das gilt erst recht, wenn der Vertrauensvorschuss, den Studierende einem auf dem Campus aktiven Verein entgegenbringen, ausgenutzt wird, um zum Teil problematische und langjährige Produkte zu verkaufen.

Problematische Verträge

Schon 2008 schrieb Stiftung Warentest über MLP-Angebote, einige seien „teuer oder sogar unsinnig“. Nach Hintergrundgesprächen und -recherchen zu den Produkten, die das Unternehmen vertreibt, ist zu befürchten, dass sich an diesem Zustand nichts geändert hat. Eine für MLP typische Vertragskonstellation aus Berufsunfähigkeitsversicherung und Rürup-Rente ist häufig ein schlechtes Geschäft für Studierende. Unter anderem der parallele Abschluss zweier Verträge, automatische Beitragssteigerungen und hohe Kosten machen das Produktpaket in der Regel zu einer unpassenden Absicherungsform – gerade für junge Menschen. Die Nachteile im Produktpaket lassen den Schluss zu, dass die Produkte von MLP vor allem deshalb verkauft werden, weil sie hohe Provisionszahlungen versprechen.

Der Finanzvertrieb MLP geht gleich in doppelter Hinsicht äußerst fragwürdig vor: In der analogen Welt missbraucht MLP den öffentlichen Raum von Hochschulen für seine Zwecke, in der digitalen Welt hilft MLP die Hochschulinitiative Deutschland bei der Verkaufsanbahnung. Das sollten wir uns nicht länger gefallen lassen.

Wir fordern,

  • MLP muss seine Kooperation mit der Hochschulinitiative Deutschland umgehend beenden.
  • Schluss mit Provisionsverkauf! Unabhängige Beratung und Provisionsvertrieb schließen sich aus. Die Bundesregierung muss endlich für ein Provisionsverbot sorgen.