Nur der Versicherer gewinnt immer

28.02.2020

Mitunter entlarven Beschönigungen dann doch mehr Fakten als sie verkleiden können. Diesen Lehrsatz belegt eine Überschrift aus dem Branchendienst Versicherungsjournal:

„Indexpolicen: Gut die Hälfte schafft eine positive Rendite“

Dieser Fakt ist für eine Kapitalanlage ähnlich bemerkenswert wie die Aussage, dass ein Auto nach dem Drehen des Zündschlüssels tatsächlich jedes zweite Mal anspringt. Schließlich werden solche neuen Rentenversicherungen mit dem Argument angeboten, die Bundesbürger könnten damit für ihr Alter vorsorgen und die Chancen an den Kapitalmärkten nutzen.

Die eigentliche Nachricht liegt also im Umkehrschluss: Fast an der Hälfte aller beobachteten Zahltage gab es gar keine Rendite für Versicherte mit Indexpolicen. Nichts. Niente. 

Dabei sind Indexpolicen eine neue Art von Rentenversicherungen mit denen Kunden eigentlich von boomenden Börsen profitieren sollen. „Chancenreich“ nennt sie Marktführer Allianz, ein „starker Motor für Ihre Altersvorsorge“ trommelt die Düsseldorfer Ergo. Der Kunde entscheidet sich in der Regel jedes Jahr, ob er seine Überschüsse lieber auf einen Börsenindex wie den deutschen Leitindex Dax setzen oder konservativ anlegen will.

Die Daten sind unverdächtig. Sie stammen aus einer aktuellen und umfangreichen Marktstudie der renommierten Kölner Ratingagentur Assekurata zur Lebensversicherung. Die Analysten beobachteten die Renditegutschriften von 14 Indexpolicen über einen Zeitraum von fünf Jahren. Das vermittelt schon ein recht solides Bild.

Umso überraschender dürfte die Versicherten wohl die Erkenntnis treffen, dass viele indexgebundene Policen kaum Ertrag einfuhren. Insbesondere bei schwankenden Kursen bleibt wenig übrig. So musste sich jeder zweite Kunde der Studie zufolge im Super-Börsenjahr 2019 mit einer Null-Rendite begnügen – und das, obwohl wichtige Indizes wie der Dax um rund 24 Prozent zulegten. Auch der EuroStoxx50 schloss mit einem Plus von 22 Prozent.

Wer nun glaubt, das vergangene Jahr sei ein bloßer Ausreißer nach unten, vertut sich: Über fünf Jahre sah die Leistungsbilanz kaum besser aus. Im Zeitraum von 2015 bis 2019 gab es für Kundinnen, die auf einen Index setzten, fast an der Hälfte der untersuchten Zahltage kein Geld. An den meisten Stichtagen – rund 60 Prozent –wurden weniger als 2 Prozent Rendite gutgeschrieben.

Wenn Indexpolicen schon in guten Börsenjahren derart schlecht abschneiden, ist die Frage erlaubt: Wann sollen Vorsorgesparer mit diesen Produkten denn Geld für den Ruhestand verdienen?

Die triste Leistungsbilanz ist jedenfalls keine Frage der Lesart. Das Produktversprechen scheint sich den Daten zufolge sehr häufig nicht zu erfüllen – und der Hinweis, dass die Kunden wenigstens kein Geld verlieren, ist bestenfalls ein teuer bezahlter Trostpreis.

Nur der Versicherer gewinnt in diesem Spiel immer: Seine Gebühren sind fest vereinbart, ganz gleich wie die Börsen laufen.

Hier geht es zur Markstudie. 

Finanzwende-Blog

Aufgerissene Tapete mit einem Börsengraph. Im Loch der Tapete sieht man 2 leere Hosentaschen nach außen gedreht.

Finger weg von Indexpolicen!

Indexorientierte Kapitalanlagen wie Indexfonds oder indexnahe ETFs genießen aufgrund niedriger Kosten und hoher Transparenz zurecht einen guten Ruf. Diesen missbrauchen Versicherer jedoch, indem sie sehr komplexe, intransparente und teure Versicherungspolicen mit Sparcharakter unter der Bezeichnung „Indexpolice“ als Altersvorsorgeprodukte anbieten.
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