Sparkassen-Präsident: Erst Unfall bauen, dann auf den Abschleppdienst hauen

Harsche Wortwahl in offenem Brief an EZB-Präsidenten Draghi soll wohl von Rolle der Sparkassen in Finanzkrise ablenken.

16.08.2019

Gestern äußerte sich Sparkassen-Präsident Schleweis im Rahmen eines „Wutbriefs“ in der BILD-Zeitung zur Politik der Europäischen Zentralbank. Dabei geht er Mario Draghi, den Präsidenten der Zentralbank massiv an und schiebt dem Agieren der EZB die alleinige Schuld an den Niedrigzinsen zu. Die harsche Wortwahl soll wohl von der Rolle der Sparkassen ablenken.

Über die EZB-Politik grundsätzlich kritisch zu diskutieren, ist absolut okay. Sie ist Teil eines miserablen Krisenmanagements, mit dem die Krise verschleppt wird und die Kosten unfair verteilt werden. Wer fürs Alter vorsorgen will oder wer eine Wohnung sucht, leidet unter der Niedrigzinssituation. Aber dass ausgerechnet Herr Schleweis aus allen populistischen Rohren schießt, ist doch ein schlechter Witz: Die Niedrigzinsen gibt es nur wegen der Finanzkrise, die die Banken verursacht haben. Allein die Rettung der Landesbanken, deren Miteigentümer die Sparkassen sind, kostete uns Bürger*innen deutlich über 30 Milliarden Euro. Herr Schleweis schimpft also über den Abschleppdienst für einen Unfall, den die Sparkassen mitverursacht haben.

Und bevor er Herrn Draghi angiftet, sollte Herr Schleweis erstmal im eigenen Haus aufräumen. Die Vorstandsvergütungen der Sparkassen sind teilweise enorm und der beste Beleg, dass bislang vor allem die Kunden für die Krise zahlen. So kommt es, dass 40 Sparkassen-Chefs über eine Million Euro im Jahr verdienen. Es gibt Sparkassen, bei denen ein erschreckend hoher Anteil der Erträge für die sehr großzügige Altersvorsorge heutiger und ehemaliger Vorstände aufgebraucht wird.

Auch aufgrund schlechter Produkte und hoher Gebühren, wie hohe Ausgabeaufschläge und Verwaltungsgebühren bei Fonds, bleibt für Sparkassen-Kunden wenig übrig. Und warum eigentlich ist die Niedrigzinsphase bei den Dispozinsen vieler Sparkassen immer noch nicht angekommen? Nicht zu vergessen, dass beispielsweise die Sparkasse München bei unserem Kredittest mit einem Effektivzinssatz von absurden 22,87 Prozent hervorstach (Restschuldversicherung mit einbezogen). Das zeigt, dass die Aussage von Herrn Schleweis in seinem Wutbrief („Schulden zu machen, kostet nichts“) nicht stimmt, sondern teilweise wucherisch hohe Zinsen verlangt werden.

Es gibt viele Verlierer am Finanzmarkt. Doch wenn sich Vorstände von Banken, Versicherungen oder Sparkassen zu ihren Wortführern machen, ist Vorsicht geboten. Hier wird versucht, von eigenen Versäumnissen und Fehlern abzulenken – während bei der Nord/LB die nächsten Milliarden an Steuergeld in eine Landesbank gepumpt werden. Das zeigt, dass die Sparkassen auch 10 Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise ihr Haus noch nicht in Ordnung gebracht haben. Deshalb braucht es dringend eine Finanzwende. Seien Sie dabei und fördern Sie die Finanzwende.