Starke Banken braucht das Land

3 Gründe gegen eine Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank

23.01.2019

  • Die alarmierende Entwicklung der beiden größten deutschen Banken scheint das Finanzministerium aufgeweckt zu haben.
  • Laut Medienberichten prüft die Bundesregierung die Fusion beider Bankhäuser.
  • Dies hätte fatale Konsequenzen für den Wirtschaftsstandort Deutschland und würde die Probleme im Bankensektor verschärfen

1. Zwei kranke Unternehmen ergeben nicht zwangsläufig ein Gesundes

Seit Jahren kämpft die Deutsche Bank mit Problemen. Drei Jahre in Folge hat sie Milliardenverluste angehäuft. Seit 2015 fast 80 Prozent ihres Wertes verloren. Zum Jahresende war sie nur noch gut 14 Milliarden Euro wert – und das bei einer Bilanzsumme von fast 1.400 Milliarden. Ein Negativrekord bei der Bewertung einer internationale. Großbank. Und wenn das Eigenkapital nur noch 1% der Bilanzsumme wert ist, reicht das kleinste Problem, um eine Bank in die Insolvenz zu treiben.

Auch der Commerzbank geht es nicht viel besser. Investoren geben sich nicht langfristig mit einer Eigenkapitalrendite von 1% zufrieden.  Daher wird nun offensichtlich an einer Fusion der beiden deutschen Großbanken gearbeitet.

Jedoch: Die Fusion zweier Unternehmen ist außerordentlich riskant: Die kulturellen Unterschiede, die ein Zusammenwachsen der Teams verhindern. Die Sisyphusarbeit, redundante Geschäftseinheiten zu fusionieren, Sozialpläne zu verhandeln und Mitarbeiter zu entlassen. Die lähmende Angst der Mitarbeiter redundant zu werden und auf der Straße zu landen. Der komplexe und langwierige Prozess, die Produkte zu vereinheitlichen. Der Alptraum, die verschiedenen unendlich komplexen IT-Systeme zu vereinheitlichen, um überhaupt an die Realisierung von Synergien zu denken.

Ein mehrjähriger enormer Kraftakt, der dazu führt, dass das Management ausschließlich mit der Fusion beschäftigt ist und sich nicht um Markt, Wettbewerb und Kunden kümmern kann. 70% aller Fusionen scheitern, sagt man. Vermutlich scheitern 95% aller Fusionen von zwei kranken Unternehmen.

2. Mangelnder Wettbewerb bei der Kreditvergabe für Unternehmen

Die Monopolkommission hat in ihrem XX. Hauptgutachten bedenkliche Indizien für zu hohe Marktmacht, insbesondere im ländlichen Raum festgestellt – häufig Sitz von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU). Angesichts des niedrigen deutschen Länderrisikos würde man erwarten, dass deutsche Unternehmen maximal so hohe Zinsen zahlen, wie Unternehmen in Finnland, Österreich oder Frankreich. In Wirklichkeit zahlen deutsche KMU mehr als in Zypern und fast so viel wie in Griechenland.

Für die deutsche Wirtschaft ist daher eine unabhängige Commerzbank extrem wichtig. Sonst bleibt in vielen Fällen nur noch die lokale Sparkasse oder Volksbank und damit ein zu geringes Angebot. Die Deutsche Bank ist in diesem Geschäft nicht aktiv. Wer also den Wirtschaftsstandort Deutschland stärken möchte, der darf die Commerzbank nicht opfern. Die deutsche Wirtschaft wird nun einmal vom Mittelstand getragen und nicht von den Großunternehmen.

3. Keine Steuergelder für weitere Bankenrettungen

Für die Bankenrettungen der Schuldenkrise nach 2008 schlagen heute schon ca. 65 Milliarden Euro zu Buche. Damals war es unerlässlich bestimmte Institute aufgrund ihres Krisen-Ansteckungspotentials mit Steuergeldern zu retten. Deswegen müssen wir heute das too big to fail Risiko verringern - und nicht erhöhen!

Die Monopolkommission hat gefordert, dass in Kartellprüfungen das so genannte too big to fail Kriterium berücksichtigt werden sollte. Die Deutsche Bank zählt bereits heute in der neuesten Liste des Finanzstabilitätsrats (FSB) zur zweithöchst vergebenen Kategorie der 29 global systemrelevanten Banken (G-SIB). Fusionen, die dies verschärfen, müssen untersagt werden. Die Bundesregierung sollte sich an die Empfehlung der Monopolkommission halten. Wenn es durch Fusion nur noch eine private Großbank in Deutschland gibt, ist die staatliche Rettung vermutlich garantiert und die Kosten trägt wieder der Steuerzahler.

Eine Fusion kann die beiden Banken ruinieren, sie würde den Wirtschaftsstandort schwächen, und sie erhöht das Risiko einer extrem teuren staatlichen Rettung. Zeit dagegen aufzustehen. Abonnieren Sie unseren Newsletter und behalten Sie die Entwicklung im Auge.