Wir suchen Ihre Geschichte zu Finanzvertrieb an (Hoch-) Schulen

Azubis und Studierende werden in Bildungsstätten hemmungslosem Provisionsvertrieb ausgesetzt. Dadurch werden in den (Hoch-) Schulen heute die Finanzmarktverlierer*innen von morgen geködert.

22.08.2019

Hunderttausende Azubis und Studierende beginnen in diesen Wochen ihre Ausbildung und damit einen völlig neuen Lebensabschnitt. Für eine Reihe von Finanzdienstleistern beginnt nun die wichtigste Zeit des Jahres. Für ihre fragwürdigen Produkte drehen sie das ganz große Werberad und umgarnen junge Leute mit allen Mitteln 

Firmen wie MLP, Mayflower oder tecis haben sich über Jahrzehnte darauf spezialisiert, die Erwerbstätigen der Zukunft so früh wie möglich an sich zu binden. Die laut Stiftung Warentest häufig „teuren und unsinnigen“ Produkte werden durch extrem ausgebufftes Marketing vertrieben. Unter dem Deckmantel des Hochschulsponsorings und von Studenteninitiativen sammeln die Finanzmakler Adressen. Andernorts werden Versicherungen, die zur Nutzung von Werkstätten der Hochschulen verpflichtend sind, direkt im Hörsaal abgeschlossen. Selbst an Hochschulen, wo Werbeverbote ausgesprochen werden, lassen sich die Vertriebler nicht abschütteln (siehe Artikel vom Spiegel)

Für uns ist das Skandalöse an dieser Praxis offensichtlich: wenn Menschen bereits im jungen Alter zu Finanzmarktverlierer*innen gemacht werden, weil sie in den Räumen ihrer Ausbildung Verträge abschließen, die ausschließlich die Berater*innen glücklich machen, dann läuft hier etwas grundlegend falsch.

Eine ganze Industrie lebt davon, jungen Menschen ohne Finanzbildung komplexe Finanzprodukte anzudrehen, die den Kund*innen im besten Fall nicht schaden.

Als Vertriebsraum nutzen die Maklerinnen und Makler dafür Bildungseinrichtungen. An Orten, wo junge Menschen ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen sollen, verkommen somit zu Werbeplattformen.

Obwohl das Thema schon mehrfach medial angesprochen wurde, gibt es bis heute keinen angemessenen Verbraucherschutz an den Hochschulen. In einem besonders vertrauenserweckenden Umfeld werden lausige Produkte an weitestgehend Ahnungslose vertrieben.

Um die Problematik umfassend darzustellen und zu bekämpfen suchen wir Erfahrungsberichte von direkt Betroffenen. Sind Sie im Rahmen Ihrer Ausbildung Opfer eines solchen Finanzdienstleisters geworden? Oder haben Sie sich gegen deren Umtriebe in Ihrer (Hoch-) Schule zur Wehr gesetzt? Schreiben Sie uns an: bericht(at)finanzwende(dot)de.

Zum Weiterlesen:
In Hamburg haben Studierende vor den Umtrieben von MLP. Hochschulteam und Hochschulinitiative gewarnt.
Verheerendes Urteil der Stiftung Warentest (von 2008, doch ist an der Produktqualität und den Methoden der Kundenakquise keine uns bekannte Verbesserung vorgenommen worden.
Spiegelartikel (2016)