Standpunkt: Nicht schon wieder – Keine Staatshilfen für Pfandbriefbanken!

04.03.2024
Michael Peters

Michael Peters leitet bei Finanzwende den Bereich Finanzsystem und Realwirtschaft. Er hat Volkswirtschaft mit Schwerpunkt Makroökonomie und Finanzpolitik studiert. Danach hat er an der Schnittstelle von Digitalisierung, Transparenz und öffentlichen Finanzen gearbeitet.  

In der letzten großen Krise musste die Hypo Real Estate mit Milliarden gerettet werden. Nun gerät ihre Nachfolgerin in die Schlagzeilen. Noch einmal retten müssen – und sollten – wir sie aber nicht.

Die Bankenrettung der Finanzkrise 2007 bis 2009 haben die Steuerzahlenden 70 Milliarden Euro gekostet. 2019 wurde dann die Nord LB mit Staatsgeldern gerettet, auch bei der Pleite der Schweizer Credit Suisse musste wieder der Staat einspringen. Und nun sorgen sich Expert*innen wieder um die Stabilität einiger deutscher Banken.

Aktuell geht es um Banken, die Gewerbeimmobilien finanzieren. Seit Corona arbeiten zahlreiche Menschen im Homeoffice, Büros werden verkleinert oder abgeschafft. In den zehn führenden US-Metropolen stehen zurzeit 46 Prozent der Büroimmobilien leer. Der Anteil an notleidenden Kredite steigt und die hohen Zinsen erschweren die Refinanzierung. Auch in Deutschland sind die Preise der Gewerbeimmobilien im Jahr 2023 mit 10 Prozent besonders stark gefallen.

Expert*innen haben bereits die Bilanzen deutscher Banken durchleuchtet. Dabei stechen die Deutsche Pfandbriefbank und Aareal Bank mit einem hohen Anteil an Gewerbeimmobilienfinanzierung an ihrer Gesamtbilanz hervor – 60 und 69 Prozent sind es. Bereits im Dezember 2023 hat die Europäischen Zentralbank der Pfandbriefbank eine deutliche Erhöhung des Eigenkapital verordnet, um die Stabilität im Krisenfall zu erhöhen.

Bereits im Dezember 2023 hat die Europäischen Zentralbank der Pfandbriefbank eine deutliche Erhöhung des Eigenkapital verordnet, um die Stabilität im Krisenfall zu erhöhen.

Beide Banken verbindet neben den Gewerbeimmobilien, dass sie sich größtenteils über Pfandbriefe finanzieren. Sie leihen sich also bei ihren Kund*innen Geld und zahlen dafür einen festen Zins. Das Geschäft besichern die Banken mit einem „Pfand“, Immobilien zum Beispiel.

Pfandbriefe gehen bereits auf die Zeit Friedrichs des Großen zurück und gelten als besonders sicher. Ganz so rein ist ihre Bilanz allerdings nicht. Die Pfandbriefe selbst sind zwar noch nie ausgefallen. Allerdings wurden schon eine ganze Reihe von Banken gerettet, die sich über Pfandbriefe finanziert haben. Bestes Beispiel ist die Deutsche Pfandbriefbank (PBB) selbst, vor 2009 besser bekannt als Hypo Real Estate. Sie musste in der letzten großen Krise mit 20 Milliarden Euro gerettet werden. Ähnlich lief es bei der Düsseldorfer Hypothekenbank, die 2009 ebenfalls Staatshilfe in Anspruch nehmen musste. Heute gehört sie übrigens zur Aareal Bank.

Bestes Beispiel ist die Deutsche Pfandbriefbank (PBB) selbst, vor 2009 besser bekannt als Hypo Real Estate. Sie musste in der letzten großen Krise mit 20 Milliarden Euro gerettet werden.

Jedes Mal wurden die Staatshilfen damit begründet, dass eine Abwicklung zu Unsicherheiten bezüglich der Sicherheit des Pfandbriefs führen würden, weil dann die Qualität der Besicherung und der Regelungen des Pfandbriefgesetzes einem konkreten Praxistest unterzogen würden. Das könnte den deutschen Pfandbrief in eine Krise stürzen, so die Angst.

Fest steht: Allein wegen ihrer Größe müssten wir PBB oder Aareal im Krisenfall nicht retten. Und sollte tatsächlich die Sorge bestehen, dass die Besicherung und die Regelungen des Pfandbriefgesetzes im Ernstfall nicht funktionieren würden, dann sollten diese Probleme zügig behoben werden. Noch einmal sollten die Steuerzahlenden keinesfalls einspringen müssen.