Interview mit Finanzwende-Fellow Uwe Zöllner

Uwe Zöllner
Uwe Zöllner

Als studierter Betriebswirt absolvierte Uwe Zöllner eine klassische Bankenlaufbahn. Er war über Jahre im Bereich Fondsmanagement tätig. Sein Schwerpunkt lag dabei auf globalen und europäischen Aktien. Mit seinem Fachwissen unterstützt Uwe Zöllner Finanzwende seit 2021 als Fellow.

1 | Welcher Themenbereich am Finanzmarkt liegt Ihnen besonders am Herzen?

Für mich ist die Schnittstelle zwischen Real- und Finanzwirtschaft besonders interessant. Dabei schaue ich vor allem darauf, wie die Finanzbranche mit ihren Entscheidungen Einfluss auf realwirtschaftliche Prozesse nimmt – zum Beispiel dadurch, welche Ziele vorgegeben werden.

Als Fondsmanager habe ich über Jahre hinweg mitentschieden, wie Anlegergelder eingesetzt und welche Unternehmen durch sie finanziert werden. Inzwischen beobachte ich jedoch zunehmend, dass die Finanzindustrie ein Eigenleben entwickelt und Kapitalströme in der Regel nicht mehr der Gesellschaft dienen. Ich empfinde diese Entwicklung als befremdlich und denke, dass sich hier etwas ändern muss.

Neben dem Verhältnis von Real- und Finanzwirtschaft liegt mein Augenmerk auch auf der Frage, wie Anlegerinnen und Anleger von der Finanzbranche behandelt und beraten werden.

2 | Was ist Ihr Spezialgebiet? 

Aufgrund meiner langjährigen Tätigkeit als Fondsmanager kenne ich mich besonders gut mit Geldanlagethemen und im Speziellen mit Fonds und ETFs aus. Zudem weiß ich viel darüber, wie Anlageentscheidungen getroffen und unter welchen Gesichtspunkten Portfolios strukturiert werden.

3 | Warum engagieren Sie sich mit diesem Expertenwissen bei Finanzwende?

Ich denke, die Finanzbranche kann ein ganzes Stück besser werden und das liegt durchaus auch in ihrem eigenen Interesse. Man hat häufig den Eindruck, dass die Finanzbranche sehr eigenbezogen agiert, dabei ist sie eigentlich ein produktiver Teil der Gesellschaft. So sind es am Ende doch die Anlegergelder, die entscheiden, welche Unternehmen finanziert werden und wie die Realwirtschaft ausgestaltet ist.  

Die staatliche Regulierung trägt mit Sicherheit einen sehr wichtigen Teil dazu bei, diese Veränderung voranzutreiben. Aber letztendlich sind es die Unternehmen selbst, die umdenken und handeln müssen. Und das geschieht meist erst dann, wenn Druck aufgebaut wird – sei es von Kundenseite oder eben durch die Öffentlichkeit. Diesen Druck baut die Bürgerbewegung Finanzwende auf und ermöglicht so ein Umdenken innerhalb der Finanzbranche.

4 | Zum Schluss noch ein kurzer Blick in die Zukunft: Wie sieht der Finanzmarkt nach einer erfolgreichen Finanzwende aus?

Nach einer erfolgreichen Finanzwende hat sich für mich die Regulierung der Finanzmärkte grundlegend verändert. Der Anlegerschutz steht nach wie vor im Fokus. Darüber hinaus werden die Aktivitäten am Finanzmarkt aber auch anhand ihrer realwirtschaftlichen Auswirkungen auf Mensch, Gesellschaft und Umwelt reguliert. Zudem unterliegen nicht nur herkömmliche Banken der Regulierung, auch Schattenbanken und ihre Aktivitäten sind in den Fokus gerückt.  

Zudem zeichnet sich der Finanzmarkt durch realistischere Renditeerwartungen bei Anlegerinnen, Unternehmen und auch innerhalb der Finanzbranche aus, als es heute der Fall ist. Diese Veränderung ist jedoch kein Produkt kleinteiliger Regulierung, sondern von Aufklärungsarbeit und einem weitreichenderen gesellschaftlichen Verständnis für Finanzmärkte und -produkte.

Auch das Verhältnis zwischen der Finanzbranche und ihren Kunden, zwischen Anlegern und Vermittlerinnen ist ein anderes. Finanzprodukte sind einfach und verständlich, das Mysterium der Geldanlage wurde entzaubert. Viele Menschen haben ihre Distanz zu Geld- und Vorsorgethemen verloren und kümmern sich proaktiv und ohne Angst um ihre Finanzen.

Das funktioniert, weil sie als Investorinnen aufrichtig durch die Finanzbranche informiert und beraten werden. Vor allem die Preisgestaltung von Finanzprodukten ist dabei um Vieles einfacher und übersichtlicher für den Verbraucher geworden.