Ökologische Finanzwende

Wir drängen auf umweltfreundliche Finanzmärkte

25.02.2021
Eine Gießkanne gießt Geldscheine auf eine Waldsilhouette. Mittig ist der Slogan "Ökologische Finanzwende".

Auf den Finanzmärkten wird mit unserer Zukunft gehandelt. Laut Berechnungen der Bank of England befinden wir uns derzeit auf einem Pfad, der zu einer Erderwärmung von 4°C führen würde und damit in die Klimakatastrophe. Milliardenbeträge sind noch immer in Unternehmen investiert, deren Geschäftsmodell im Wesentlichen auf der Ausbeutung der Natur und der Nutzung fossiler Brennstoffe beruht.

Um unseren Kindern und Enkeln einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen, braucht es deswegen auch eine ökologische Finanzwende!

Was bedeutet ökologische Finanzwende?

Unter einer ökologischen Finanzwende verstehen wir Finanzmärkte, welche endlich den Weg zur Klimaneutralität fördern und beschleunigen, anstatt das Klima weiter anzuheizen.

Geld und Investitionen sind nämlich die entscheidende Stellschraube für eine saubere Mobilität, umweltfreundlicheren Strom und eine nachhaltigere Landwirtschaft. Gerade vor dem Hintergrund, dass heutige Investitionen noch Jahrzehnte nachwirken, gilt auch beim Umwelt- und Klimaschutz der Satz: Geld gestaltet die Welt. Einen ausführlichen Hintergrundtext zum Thema Sustainable Finance finden Sie bei Finanzwende Recherche

Wir arbeiten durch unsere Kampagnen- und Bildungsarbeit daran, dass die Öffentlichkeit für dieses Thema sensibilisiert wird und Druck „von unten“ macht. Gleichzeitig hat Finanzwende als Teil des Sustainable Finance-Beirats die Bundesregierung direkt bei ihrer Sustainable Finance-Strategie beraten, um mit starken Empfehlungen Druck „von oben“ zu machen.

Die Arbeit von Finanzwende im Sustainable Finance-Beirat der Bundesregierung

Die Bundesregierung hat den Sustainable Finance-Beirat im Juni 2019 eingesetzt, im Februar 2021 hat dieser seinen Abschlussbericht vorgestellt. Finanzwende-Vorstand Gerhard Schick war als zivilgesellschaftlicher Vertreter mit dabei.

Viele der Empfehlungen aus dem Abschlussbericht des Beirats haben das Potential, die Finanzmärkte in Deutschland zum Hebel für Umwelt- und Klimaschutz zu machen. Der Beirat empfiehlt zum Beispiel:

  • eine nachhaltigere Ausrichtung der öffentlich-rechtlichen Sparkassen
  • die Anlagen des Bundes im Einklang mit Klima- und Umweltschutz zu investieren, z.B die Anlagen der betrieblichen Rentenkasse des öffentlichen Dienstes (VBL),
  • einen größeren Kreis von Unternehmen zu Nachhaltigkeitsberichten zu verpflichten,
  • die Einrichtung eines Transformations- und Impact-Fonds, welcher kleine und mittlere Unternehmen mit bahnbrechenden Innovationen für die nachhaltige Transformation fördern soll
  • Nachhaltigkeit stärker in der Unternehmensführung zu verankern

Insgesamt hat der Sustainable Finance-Beirat sehr vielfältige und wegweisende Empfehlungen für ein nachhaltiges Finanzsystem in Deutschland vorgelegt. Die Finanzlobby hat jedoch einige Positionen des Beirats entscheidend geschwächt. Das liegt am allgemeinen Kräfte-Ungleichgewicht zwischen Finanzinteressen und Zivilgesellschaft, welchem wir mit unserer Arbeit entgegentreten.  

Zum Start des Sustainable Finance-Beirats hat Finanzwende-Vorstand Gerhard Schick einen ausführlichen Diskussionsbeitrag zu Sustainable Finance im öffentlichen Sektor veröffentlicht. Wie er den Abschlussbericht des Beirats bewertet, lesen Sie auf unserem Blog.

Die besondere Verantwortung des öffentlichen Sektors

Der öffentliche Sektor hat beim Thema Nachhaltigkeit eine Vorbildrolle. Die öffentliche Hand muss dafür sorgen, dass die eigenen Anlagen nicht die eigenen Anstrengungen im Klima- und Umweltschutz untergraben. Die größte öffentliche Kapitalanlage liegt bei der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL). Die VBL verwaltet die betriebliche Altersvorsorge von fast fünf Millionen Angestellten des Öffentlichen Dienstes und damit 38,5 Milliarden Euro.

Das Problem: Die Anlagestrategie ist extrem intransparent und die Nachhaltigkeitskriterien sind unzureichend – Kinderarbeit und fossile Energien sind theoretisch möglich. Es ist daher höchste Zeit, dass die Bundesregierung Verantwortung übernimmt, öffentliche Mittel nachhaltig anlegt und so in einer Vorbildrolle die Wende am Finanzmarkt einleitet.

Mehr zur besonderen Verantwortung des öffentlichen Sektors und der VBL

Aktuelle Themen im Bereich Sustainable Finance

Finanzwende kämpft an vielen weiteren Fronten für eine ökologische Finanzwende. Aktuelle Themen sind vor allem die Entscheidung der EU-Kommission BlackRock zum Nachhaltigkeitsberater zu machen, die Klimaschutz-Selbstverpflichtungen im deutschen Finanzsektor und die erste grüne Bundesanleihe.

EU macht BlackRock zum Nachhaltigkeitsberater

Die EU-Kommission arbeitet derzeit Richtlinien aus, wie die Finanzwelt ökologischer und sozialer gestaltet werden kann. Nun hat sie dafür ausgerechnet BlackRock zum offiziellen Berater gemacht. Damit macht sie den Bock zum Gärtner.

Konkret soll BlackRocks „Financial Markets Advisory“-Einheit der EU-Kommission Antworten auf die Frage liefern, wie die drei zentralen Faktoren zur Messung von Nachhaltigkeit – Umwelt, Soziales und Governance (englisch: ESG-Faktoren) – sowie diesbezügliche Risiken in die Geschäftsstrategien und Anlagepolitik von Banken integriert werden können.

BlackRock als EU-Berater für Sustainable Finance? Der weltweit größte Vermögensverwalter hält immer noch Anteile an Kohlefirmen im Wert von mindestens 85 Milliarden US-Dollar. In der Vergangenheit hat sich der Vermögensverwalter bei Unternehmen immer wieder gegen Maßnahmen gestellt, die die Vorstände zu nachhaltigerem Handeln gezwungen hätte. 

Finanzwende ist der Meinung, dass das BlackRock-Mandat hochproblematisch ist und das Vorhaben der EU bedroht, Finanzströme nachhaltiger zu gestalten. Mehr dazu erklären wir auf unserem Blog und in diesem YouTube-Video.

Klimaschutz-Selbstverpflichtung des deutschen Finanzsektors: Umdenken oder Greenwashing?

Finanzinstitute unterschreiben oft und gerne sogenannte „Selbstverpflichtungen“. Häufig stellt sich dabei die Frage, ob es sich dabei um echtes Umdenken oder eher um Greenwashing handelt.

Im Juli 2020 unterzeichneten 16 Akteure des deutschen Finanzsektors eine Selbstverpflichtung zur Erreichung der Ziele des Pariser Klimaabkommens. Der Vorstoß ist begrüßenswert, Zweifel bleiben jedoch angebracht. Teile der freiwilligen Selbstverpflichtung gehen kaum über anstehende gesetzliche Regelungen hinaus. Unter den Erstunterzeichnern befindet sich mit der LBBW außerdem nur ein öffentliches Institut – dabei sollten gerade diese in Sachen Ökologie und Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle einnehmen. Eine ausführliche Einordnung durch unseren Vorstand Gerhard Schick finden Sie auf unserem Blog.

Im Dezember 2020 präsentierten schließlich die Sparkassen eine eigene Selbstverpflichtung für klimafreundliches und nachhaltiges Wirtschaften. Gerade weil die Sparkassen sich nach ihrem eigenen Selbstverständnis dem Gemeinwohl verpflichtet fühlen, ist die Erwartung an sie hinsichtlich Nachhaltigkeit besonders hoch. Trotz der Selbstverpflichtung bleibt offen, wie das aktive Engagement der Sparkassen für den Klimaschutz aussehen wird, da öffentliche, messbare Kriterien fehlen. Eine genauere Analyse der Sparkassen-Selbstverpflichtung finden Sie auf unserem Blog.

Fest steht: Selbstverpflichtungen ersetzen keine Regulierungen. Umso wichtiger ist es, dass sich Finanzwende im Sustainable Finance-Beirat der Bundesregierung aktiv für strenge, transparente und messbare Regeln eingesetzt hat (siehe oben).

Die nicht so grüne Bundesanleihe

Im September 2020 verkaufte Deutschland ihre allererste grüne Bundesanleihe. Einige Analysten und Kommentatoren hielten diese Emission für einen Wendepunkt für den Markt für grüne und nachhaltige Anleihen insgesamt.

Auf unserem Blog erklärt Dr. Moritz Kraemer, warum die grüne Bundesanleihe bei näherer Betrachtung jedoch wahrscheinlich hinter den Erwartungen zurückbleiben wird. Er sieht zwei Hauptgründe:

  1. Erstens wird die Anleihe zu keinen zusätzlichen Umweltschutzbemühungen führen. Die Finanzierung folgt den Projekten, nicht umgekehrt.
  2. Zweitens wird die Hoffnung, dass die Entwicklung einer risikofreien grünen Renditekurve eine Sogwirkung ausübt, die andere Emittenten in den Markt für grüne Anleihen zieht, wahrscheinlich enttäuscht werden.

Unsere Forderungen

Damit die ökologische Finanzwende gelingt, hat Finanzwende konkrete Forderungen:

  • Der Bund muss als vorbildlicher Investor einen neuen Standard für verantwortungsbewusste Investments setzen. Die Bundesregierung sollte Nachhaltigkeitskriterien für ihre Kapitalanlage am 1,5°-Ziel des Pariser Klimaabkommens ausrichten und regelmäßig an die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse anpassen.
  • Der temporär eingerichtete Sustainable Finance-Beirat der Bundesregierung sollte verstetigt werden, damit Empfehlungen konsequent umgesetzt werden.
  • Wir brauchen verbindliche und transparente Standards für nachhaltige Geldanlagen, damit Verbraucherinnen grüne Finanzprodukte von bloßem Greenwashing unterscheiden können.

Die Klimakrise wartet nicht, die Uhr tickt. Es braucht mutiges und entschlossenes Handeln von der Politik, damit die Finanzmärkte einen Beitrag zum nachhaltigen Umbau der Wirtschaft leisten. Finanzwende arbeitet weiterhin daran, den nötigen Druck zu erzeugen.