Ökologische Finanzwende

Schon länger ist offensichtlich, dass Investitionsentscheidungen gesellschaftliche Entwicklungen und Schieflagen weltweit beeinflussen oder sogar bedingen. Es ist höchste Zeit, wissenschaftlich fundierte, ethische Investitionsstandards festzulegen.

12.09.2018

  • Mit Investitionsentscheidungen wird die Zukunft gestaltet.

  • Wider besseren Wissens investiert die Bundesregierung noch immer viel Geld in fossile Energien – die Verlustbringer von morgen.

  • Der Bund muss als vorbildlicher Investor einen neuen Standard für verantwortungsbewusste Investments setzen.

Auf den Finanzmärkten wird mit unserer Zukunft gehandelt. Realisiert sich die aktuelle Einschätzung der Investoren, endet die Klimakrise in der Klimakatastrophe, denn Milliardenbeträge sind noch immer in Unternehmen investiert, deren Geschäftsmodell im Wesentlichen auf der Ausbeutung der Natur und der Nutzung fossiler Brennstoffe beruht.

Selbst die Bundesregierung handelt seit Jahren schon entgegen ihrer eigenen Klimaschutzziele und legt immer noch Geld in Unternehmen der fossilen Energiewirtschaft an, beispielsweise mit dem milliardenschweren Versorgungsfonds für Bundesbeamte. Über Aktien- und Anleihemärkte oder direkte Beteiligungen investiert die öffentliche Hand ungefiltert in Staaten und Unternehmen, die den Klimawandel befeuern, völkerrechtlich geächtete Waffen herstellen,  Arbeitnehmer ausbeuten oder Kleinbauern von ihrem Land vertreiben. Nicht einmal Kinderarbeit wird ausgeschlossen. Gleichzeitig fordert sie ethisches Verhalten von privaten Investoren. Das ist unglaubwürdig.

Es ist daher höchste Zeit, dass die Bundesregierung Verantwortung übernimmt, Schmutzkapital abzieht, ihr Geld nachhaltig anlegt und so in einer Vorbildrolle die Wende am Finanzmarkt einleitet.

Wider besseres Wissen wird noch immer großflächig in nicht nachhaltige Projekte investiert

Finanzmärkte müssen jene Zukunft, die wir uns als Gesellschaft wünschen, mitgestalten. Nachhaltigkeit hat viele Aspekte, einer davon ist Klimaschutz. Der Europäische Ausschuss für Systemrisiken der Europäischen Zentralbank hatte 2016 in einer Studie vor den Klimarisiken im Finanzmarkt ausdrücklich gewarnt. Auch die Bundesregierung ließ sich die Gefahren im Gutachten "Mögliche Auswirkungen des Klimawandels auf die Finanzmarktstabilität" von Experten aufschreiben. Doch das Lesen dieses Gutachtens führte im Regierungsviertel bisher offensichtlich nicht zum entsprechenden Handeln. Bislang tat die Regierung nämlich nichts, um diese Risiken zu adressieren.

Als Dauerausrede für unterlassenes Handeln schiebt die Bundesregierung laufende Beratungen zu einem europäischen Ansatz für Nachhaltigkeit im Finanzmarkt vor. Doch die Vorschläge im Rahmen des Aktionsplans zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums der Europäischen Kommission sollen primär für mehr Transparenz im Markt sorgen, damit Anleger besser entscheiden können, welche Nachhaltigkeitsrisiken sie eingehen wollen und welche nicht. Für die Bundesregierung ist nachhaltiges Handeln jedoch keine Option, sondern Gebot. Schließlich hat sie sich mit der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie ambitionierte Ziele verordnet. Anstatt diese zu unterstützen, behindert und verteuert sie die Zielerreichung mit schmutzigen Investitionen am Finanzmarkt. Dieses Verhalten ist in keiner Weise zu rechtfertigen!

Aktiv und verantwortungsbewusst investieren - der Bund muss eine Vorbildrolle einnehmen

Die Kapitalanlage der Bundesregierung muss daher endlich die Umsetzung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie und der Agenda 2030 der Vereinten Nationen unterstützen anstatt sie zu konterkarieren. Öffentliche Vermögen wie der Atomfonds und der Versorgungsfonds für Bundesbeamte stehen dabei an vorderster Stelle. Insbesondere der Atomfonds kann durch direktes Beteiligungskapital die Energiewende aktiv unterstützen. Denn Divestment, also der Rückzug aus nicht nachhaltigen Beteiligungen, ist nur der erste Schritt. Darauf folgt gezieltes Investieren in besonders nachhaltige Firmen, die beispielsweise mit der Entwicklung neuer Technologien einen aktiven Beitrag dazu leisten, die 2°C-Grenze nicht zu überschreiten. Ebenso könnte durch gezieltes Investment der Strukturwandel in Regionen unterstützt werden, in denen zum Beispiel die Kohleindustrie noch von großer Bedeutung ist.

Handelt die öffentliche Hand in ihrer Kapitalanlagepolitik nachhaltig, gibt sie privaten Anlegern wertvolle Orientierung am Finanzmarkt und verleiht der Finanzwende Breitenwirkung. Die Bundesregierung sollte deshalb Nachhaltigkeitskriterien für ihre Kapitalanlage verbindlich festlegen und regelmäßig  an die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse anpassen.