Standpunkt: Eine Finanz-Biokiste für die Transformation vor der eigenen Haustür

07.05.2026
Magdalena Senn

Magdalena Senn ist bei Finanzwende für das Thema Sustainable Finance zuständig. Sie hat in Tübingen, Berlin und Paris Volkswirtschaft und politische Ökonomie studiert. Danach hat sie im Europaparlament die Arbeit eines Abgeordneten im Wirtschafts- und Währungsausschuss begleitet.

Über 500 Milliarden Euro: Diese Summe müssen wir in Europa im Energiebereich jährlich investieren, um die Erderwärmung zu begrenzen und unser Klimaziel für 2030 zu erreichen.

Die Zahl zeigt eindrücklich, wie gewaltig die Aufgaben sind, die vor uns liegen.

Die Frage ist nun: Wo soll das Geld eigentlich herkommen? Eine mögliche Antwort könnte, gerade in Deutschland, die regionale Ebene sein. Der Grund dafür sind mehr als 1000 regional verankerte Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken. Sie haben ideale Voraussetzungen, um vor Ort das Geld derjenigen einzusammeln und zu verteilen, die in regionale Projekte zur Bewältigung der Klimakrise investieren wollen. Doch bisher passiert das noch nicht im großen Maßstab – warum?

Finanzwende und das Fair Finance Institute gehen in einem gemeinsamen Projekt der Frage nach, wie sich lokale Investitionsbedarfe, Regionalbanken und an Nachhaltigkeit interessierte Anleger*innen stärker zusammenbringen lassen. Eine Art regionale Biokiste – nur mit Geldanlage statt Gemüse. Damit könnten Menschen vor Ort direkt von den finanzierten Projekten der Energie- und Wärmewende profitieren, während deren Akzeptanz im besten Fall gleichzeitig zunimmt.

Am Wille der Kundschaft liegt es nicht: Nach wie vor gibt es viele engagierte Privatanleger*innen, die mit ihrem Ersparten etwas für eine nachhaltige Zukunft tun wollen. Doch viele Menschen zweifeln an der Sinnhaftigkeit angebotener Produkte und fragen sich, ob es sich nicht doch um Greenwashing handelt.

Zudem gibt es bereits vielfältige Formen der finanziellen Beteiligung, mit denen Bürger*innen selbst in die lokale Energiewende investieren können. Mit Fremd- und Eigenkapital, verschiedenen Formen der Mitbestimmung und unterschiedlich großen Risiken. 

Doch bisher passiert das meistens ohne Mitwirkung regionaler Banken.

Die sehen die direktere Beteiligung ihrer Kunden an der Finanzierung der Energiewende vor der eigenen Haustür häufig noch nicht als eines ihrer zentralen Betätigungsfelder und sind an lokalen Projekte eher mit klassischer Kreditvergabe beteiligt. Wie lässt sich das ändern?

Einer von vielen Gründen für die Zurückhaltung ist, dass es den regionalen Banken aber auch Projektierern von Erneuerbaren Energieanlagen oft an Wissen und Strukturen in diesem Themenfeld fehlt. Hier könnten die Verbände und Zentralinstitute eine wichtige Rolle spielen und zum Beispiel mit standardisierten Produkten Vorlagen für ihre Institute für Ort liefern – und gleichzeitig dafür sorgen, dass Transparenz und Verbraucherschutz nicht zu kurz kommen. Zudem braucht es weitere Anreize und Verbesserungen in Politik und Regulierung, um eine finanzielle Bürger*innenbeteiligung in der Breite attraktiver zu machen.

Die regionale Finanz-Biokiste kann nicht die Lösung aller Herausforderungen in der Klimakrise  sein – aber ein wichtiger Baustein im Portfolio nachhaltigkeitsbewusster Anleger*innen. Und ein Stück Teilhabe an der Zukunft der Region, das sich auszahlt. Wie genau ein solcher Baustein aussehen könnte und welche politischen Rahmenbedingungen ihm zum Durchbruch verhelfen würden, wird eine gemeinsame Publikation im Sommer erläutern.  

Markus Duscha, Gründer und Geschäftsführer des Fair Finance Institutes sowie Mitgründer von Finanzwende, ist Mit-Autor dieses Standpunkts und federführender Autor des Analyse-Papiers, auf dem dieser Standpunkt basiert.