Finanzstabilität sichern, Eigenkapital erhöhen

05.02.2026
Verschiedene Bankengebäude rasen auf den Abgrund zu. Davor steht ein Achtung-Schild "!".
  • Niedrige Eigenkapitalquoten waren eine der Hauptursachen der Finanzkrise 2007/08.
  • Daran hat sich aufgrund massiven Lobbydrucks der Banken wenig geändert.
  • Wir fordern, dass Banken mindestens 10 Prozent der Bilanzsumme als Eigenkapital vorweisen müssen. Ohne Ausnahmen. Ohne Risikogewichtung.

Im Zuge der Finanzkrise 2007/08 fielen zahlreiche Banken um wie Dominosteine und mussten staatlich gerettet werden. Allein in Deutschland haben wir Bürger*innen mit unseren Steuergeldern fast 70 Milliarden Euro mobilisiert, um deutsche Banken zu stabili­sieren.

Die Stabilität unseres Finanzsystems hängt maßgeblich davon ab, wie solide Banken kapitalisiert sind. Denn Eigenkapital nützt der Bank in Krisenzeiten als Verlustpuffer. Je mehr Eigenkapital, desto robuster die Bank und desto unwahrscheinlicher eine staatliche Bankenrettung. Finanzwende fordert daher, dass Banken eine ungewichtete Eigenkapitalquote (Leverage Ratio) von mindestens 10 Prozent vorweisen müssen.


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Wenig Eigenkapital bei Banken

Viele der 2008 gescheiterten Banken nutzten nur 1 bis 2 Prozent Eigenkapital. Die deutsche HypoReal­Estate (HRE) hatte sogar nur 0,08 Prozent echtes Eigenka­pital. Und auch eine Deutsche Bank hat heute immer noch eine sehr geringe Eigenkapitalquote von 4,6 Prozent.

Sparkassen und Genossenschaftsbanken in Deutschland wirtschaften – im Durchschnitt – bereits heute freiwillig mit einer ungefähr doppelt so hohen Eigenkapitalquote wie die Deutsche Bank. Zum Vergleich: Deutsche Unternehmen weisen eine durchschnittliche Eigenkapitalquote von knapp 30 Prozent aus.

Wertvoll für die Gesellschaft

Viele denken bei Eigenkapital an Geld im Tresor, das der Bank gehöre. Diese Vorstellung ist falsch. Tatsächlich meint Eigenkapital das Geld der Eigentümer*innen einer Bank, oftmals also das ihrer Aktionär*innen oder Genossenschaftsmitglieder. Auch Gewinne der Bank, die nicht an Aktionär*innen ausgeschüttet werden, sind Eigenkapital. Mit diesem Kapital finanzieren Banken in geringem Ausmaß ihre Geschäfte. 

Zum allergrößten Teil finanzieren sich Banken aber über Fremdkapital, also Schulden. Das können beispielsweise Kredite sein, die andere Geldhäuser der Bank gewährt haben, oder die Einlagen der Bankkund*innen, die letztlich einem Kredit der Kund*innen an die Bank gleichkommen.

Banken erfüllen gegenüber Eigen- und Fremdkapitalgeber*innen unterschiedliche Ansprüche:

  • Eigenkapital: Macht die Bank Gewinne, zahlt sie den Eigentümer*innen eine Dividende. Geht sie pleite, müssen die Eigentümer*innen haften.
  • Fremdkapital: Kreditgeber*innen hingegen muss sie Zinsen und Tilgung zahlen – auch wenn sie Verluste macht oder kurz vor der Pleite steht.

In schwierigen Zeiten kann Eigenkapital Verluste auffangen. Eine Bank mit viel Eigenkapital ist deshalb widerstandsfähiger. Denn Unternehmen gehen pleite, wenn ihr Vermögen nicht mehr ausreicht, um ihre Schulden zu bedienen. Der wichtigste Schutz gegen eine Pleite und staatliche Rettung ist daher ausreichendes Eigenkapital. Die Bank trägt ihre Risiken mittels Eigenkapital selbst – das macht es gesellschaftlich wertvoll.

Kein Geld im Tresor

Es ist wichtig zu verste­hen, dass Eigenkapital kein unproduktives Geld ist. Die Banken behaupten gern, dass sie Eigenkapital „vor­halten“ müssten – das stimmt nicht. Auch in der Presse liest man diesen Ausdruck immer wieder fälschlicherweise.

Die Bankenlobby will mit diesem Mythos den Eindruck vermitteln, dass mit höheren Eigenkapitalanforderungen weniger Geld für Kredite zur Verfügung stünde. Das ist aber völliger Unsinn.

Eigenkapital liegt nicht im Tresor. Wenn eine Bank Kredite vergeben oder spekulative Geschäfte tätigen möchte, braucht sie Kapital. Dieses bekommt sie entweder, indem sie Schulden macht oder Eigenkapital einbringt.

Höhere Eigenkapitalanforderungen bedeuten daher nicht automatisch, dass weniger Kredite vergeben werden können. Sie legen nur fest, welcher Anteil der Geschäfte mit eigenem Kapital finanziert sein muss. 


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Banken rechnen sich ihre Bilanzen selbst schön

Nach dem Schock von 2008 war die erste Reaktion der Regulierungsbehörden weltweit, die Eigenkapitalanforderungen zu erhöhen. Allerdings ist es der Bankenlobby gelun­gen, diese Reform massiv zu verwässern. Dies gelang auch durch die unsachliche sprachliche Vernebelungstaktik vom teuren Eigenkapital, das „vorgehalten“ werden müsste und das deshalb der Realwirt­schaft entzogen würde.

Ein zentrales Einfallstor für diese Verwässerung war die komplizierte Konstruktion der Eigenkapitalregeln selbst. Banken müssen ihr Eigenkapital nicht auf ihre gesamte Bilanzsumme beziehen, sondern nur auf sogenannte risikogewichtete Aktiva. Dadurch konnten die Banken schon vor der Krise behaupten, sie wären gut kapitalisiert. Auch der Presse ist es zu kompliziert „Eigenkapitalquote bezogen auf risikogewichtete Aktiva“ zu schreiben.

Das größte Problem daran ist aber, dass große Banken anhand eigener Modellrechnungen ihre Eigenkapitalquoten festlegen dürfen. Nicht die Aufsicht bestimmt das maximale Maß an Verschuldung, sondern die Bank selber. Und kaum jemand kann zuverlässig nachprüfen, ob die Zahl korrekt ist, weil die Modelle so komplex sind.

Bankenlobby will weniger Eigenkapital

Auch Anfang 2026 stehen niedrigere Eigenkapitalanforderungen noch ganz oben auf der Wunschliste der Bankenlobbyist*innen. Wer den Wortmeldungen der Bankenlobby in Berlin und Brüssel zuhört, könnte meinen, höhere Eigenkapitalanforderungen würden die Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität der Institute aushöhlen.

Tatsächlich zeigt eine Studie der Deutschen Bundesbank, dass höhere Kapitalanforderungen die Bankprofitabilität nicht schmälern. Bei großen deutschen Instituten steht mehr Eigenkapital sogar im Zusammenhang mit höheren Gewinnen.

Wenn die Bankenlobby fordert, die Kapitalanforderungen zu „vereinfachen“, meinen sie damit eigentlich absenken. Ein Argument sei die starke US-Konkurrenz, die von einer Deregulierung durch Präsident Trump profitieren würde. Allerdings sind die Eigenkapitalquoten großer US-Institute deutlich höher als bei vielen europäischen Banken.

Es geht auch anders

Banken müssen sich nicht bis zur Halskrause verschulden. Es sollte nicht wieder zu einer Finanzkrise kommen, bei der Banken wie Dominosteine umfallen und mit Unsummen von Steuergeldern staatlich gerettet werden.

Mindestens 10 Prozent der Bilanzsumme sollten Banken mit Eigenkapital finanzieren müssen. Ansonsten fließen wieder Steuergelder in die Taschen von Bankaktionär*innen.