7 Antworten zu Stablecoins: Finanzinnovation oder Finanzrisiko? 17.08.2026 Stablecoins sind in aller Munde: Sie sind das politische Prestigeprojekt der Trump-Regierung, sollen eine Revolution für den Zahlungsverkehr und das digitale Geld von morgen sein. Aber was sind Stablecoins überhaupt, welche Risiken entstehen und was haben Stablecoins mit Big Tech zu tun? Wir beantworten die wichtigsten Fragen. 1 | Was sind Stablecoins? Stablecoins sind Kryptowerte (sogenannte „Token“), die auf einer Blockchain ausgegeben und zu einem festen Wechselkurs von 1:1 an eine staatliche Währung wie US-Dollar oder Euro gekoppelt sind. Sie übernehmen die Funktionen von Geld im Kryptosektor und immer öfter auch in der Realwirtschaft und dem klassischen Zahlungsverkehr. Das herausgebende Unternehmen (der Emittent) verspricht den Nutzer*innen seines Euro-Stablecoins, dass sie ihn jederzeit gegen Euro eintauschen können. So bleiben sie im Wert stabil. Dafür hinterlegen die Herausgeber die Stablecoins zu 100 Prozent mit einer Reserve. Jeder Euro-Stablecoin ist in der Theorie also mit einem Euro hinterlegt. Die Qualität der Vermögenswerte in der Reserve soll zusätzliches Vertrauen in die Sicherheit des Stablecoins schaffen. Durch ihre Besicherung und die angestrebte Wertstabilität unterscheiden sich Stablecoins von anderen Kryptowerten wie Bitcoin oder Ether. Diese sind nicht besichert und äußerst volatil. Finanzwende arbeitet für ein stabiles Finanzsystem. Jetzt Newsletter abonnieren und auf dem Laufenden bleiben: E-Mail* Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier. Anmelden 2 | Sind Stablecoins also Geld? Ja, Stablecoins sind privates Geld. Auch wenn wir es bei unseren täglichen Zahlungen in der Regel nicht bemerken, kann man zwischen folgenden Arten von Geld unterscheiden: Öffentliches Geld als direkte Verbindlichkeit der Zentralbank Bargeld sowie die Einlagen der Geschäftsbanken bei der Zentralbank sind öffentliches Geld. Da das Bargeld von einer Zentralbank ausgegeben wird, ist es eine direkte Verbindlichkeit dieser und damit zu 100 Prozent ausfallsicher. Denn eine Zentralbank kann nicht pleitegehen. Geschäftsbankengeld mit Zentralbankanbindung und institutioneller Absicherung Geschäftsbankengeld (auch Giralgeld) ist das Geld auf unseren Girokonten, auf das wir zum Beispiel bei der Kartenzahlung im Supermarkt zurückgreifen. Es ist eine Verbindlichkeit der Geschäftsbank. Aber Banken und Zentralbanken befinden sich in einer öffentlich-privaten Partnerschaft. Denn Banken halten Reserven bei der Zentralbank und unterliegen ihrer Aufsicht. Außerdem ist das Geld auf den Girokonten bis zu einer bestimmten Höhe durch eine gesetzliche Einlagensicherung abgesichert. Privates Geld, ohne institutionelle Absicherung Rein privates Geld wird von Unternehmen ohne Anbindung an die Zentralbank herausgegeben. Das können beispielsweise Gutscheine oder Prepaidkarten sein, die nur noch zu den Konditionen oder in den Geschäften des Herausgebers einlösbar sind. Es besteht weder eine privat-öffentliche Partnerschaft noch eine institutionelle oder gesetzliche Absicherung. Das herausgebende Unternehmen besichert das Geld mit Vermögenswerten. Geht das Unternehmen pleite, ist das Geld weg. Zu dieser Kategorie gehören auch Stablecoins. Um als Tauschmittel genutzt zu werden, muss jede Art von Geld folgende Kriterien erfüllen. Es muss: sicher sein, einen stabilen Wert haben und universell akzeptiert werden, also an möglichst vielen Stellen. Die Reserve und das Rücktauschversprechen zu einem festen Wert sollen Stablecoins möglichst stabil und sicher machen. 3 | Wofür benutzen Menschen Stablecoins? Stablecoins werden überwiegend im Krypto-Sektor genutzt. Neun von zehn Stablecoin-Transfers gehen auf die Anwendung innerhalb des Kryptosektors zurück. Dort dienen sie als Zwischenparkplatz für Kapital beim Wechseln zwischen verschiedenen Kryptowährungen. Allerdings werden sie auch für illegale Geschäfte, wie Terrorismusfinanzierung, Sanktionsumgehung und Geldwäsche genutzt. Im Jahr 2025 machten Stablecoins 84 Prozent des illegalen Transaktionsvolumens im Kryptosektor aus. Neben dem stabilen Wert macht die Pseudonymität der Blockchain-Technologie, die Identitäten verschleiert, sie dafür besonders attraktiv. Am zweithäufigsten werden Stablecoins für Heimatüberweisungen (Remittances) von Migrant*innen an ihre Familien genutzt. Etwa 2 Prozent der Stablecoin-Transfers gehen darauf zurück. Mit Gebühren von 0,5 bis 3 Prozent bieten Stablecoin-Überweisungen eine deutlich günstigere Alternative zu den globalen Durchschnittsgebühren für grenzüberschreitende Zahlungen von fast 7 Prozent. Weiterhin eröffnen sie in Ländern mit volatilen Währungen, wie zum Beispiel der Türkei und Argentinien, digitalen Zugang zum US-Dollar. Lediglich 2 Prozent der Stablecoin-Transfers gehen auf den Massenzahlungsverkehr (Retail Payments) zurück, bisher primär in Schwellen- und Entwicklungsländern. Das sind Zahlungen zwischen Kund*innen und Unternehmen, also alltägliche Verbrauchertransaktionen. Quelle: Finanzwende Recherche, Too Big To (Stable)Coin 4 | Wie sieht der Markt für Stablecoins heute aus? Der Stablecoin-Sektor ist zu 99 Prozent an den US-Dollar gebunden und weist eine extrem hohe Konzentration auf. Die beiden größten Herausgeber Tether (USDT) und Circle (USDC) teilen sich über 80 Prozent der Marktkapitalisierung. Der Hang zur Marktkonzentration kommt nicht von irgendwoher. Stablecoins als Zahlungssysteme lohnen sich am meisten, wenn sie möglichst viele Nutzer*innen auf sich vereinen. Dadurch entstehen starke Netzwerkeffekte, die Nutzer*innen zum selben Stablecoin ziehen. Quelle: DefiLlama, Stablecoins Laut Prognosen soll der Stablecoin-Markt bis 2030 auf das Doppelte der heutigen Größe des gesamten Krypto-Sektors anwachsen. Dabei macht der Stablecoin-Sektor aktuell gerade mal ein Achtel des Krypto-Markts aus. Ob sich das Wachstumspotenzial entfaltet, ist bisher unklar und wird nicht zuletzt durch den kryptofreundlichen Kurs der US-amerikanischen Politik unter Donald Trump befeuert. Er möchte die USA mit neuen Gesetzen zur Krypto-Hauptstadt des Planeten machen. Die EU reguliert Stablecoins bereits seit 2023 mit dem Krypto-Regelwerk Markets in Crypto Assets (MiCA). Dort werden Vorgaben der Finanzaufsicht definiert. 5 | Für wen lohnen sich Stablecoins? Für Nutzer*innen sollen Stablecoins primär als stabiles Tauschmittel dienen und werfen deswegen keine Rendite (Zinsen) ab. Auch wenn es zur Verzinsung von Stablecoins immer wieder Diskussionen gibt, läge der größte Nutzen für Kund*innen demnach vor allem in der Anwendung im Zahlungsbereich. Für die Stablecoin-Unternehmen sieht das ganz anders aus: Die Herausgabe von Stablecoins ist ein profitables Geschäft. Bei der Zusammensetzung der Reserve zur Stablecoin-Besicherung handelt es sich meist um Bargeldeinlagen und kurzlaufende Staatsanleihen. Diese werfen Zinsen ab, die der Stablecoin-Emittent als Einnahmen verbuchen kann, wie bei einem verzinsten Sparkonto. Die Zinseinnahmen sind verglichen mit anderen Vermögenswerten sehr risikoarm und bieten im Durchschnitt höhere Renditen als klassische Bankeinlagen. So ergibt sich aus der Reserveverwaltung ein lukratives Geschäft, das mitunter Gewinnmargen bis zu 99 Prozent ermöglicht. Die erfolgreichsten Stablecoin-Herausgeber verwalten schon heute enorme Reserven, die das BIP kleiner Länder wie Bulgarien oder Kroatien übersteigen. Unabhängigkeit von Trump und Co.? Unbezahlbar! Unser Kartenzahlungsverkehr hängt an wenigen US-Unternehmen. Das ist gefährlich. Europa muss unabhängig von Trump & seinen Tech-Milliardären werden! Jetzt unterzeichnen! 6 | Welche Risiken entstehen durch Stablecoins? Stablecoins weisen trotz bestehender Regelwerke zahlreiche Risiken auf, unter anderem: ...für Verbraucher*innen: Die meisten Stablecoin-Emittenten erlauben bisher nur qualifizierten institutionellen Anlegern, ihre Stablecoins direkt bei ihnen umzutauschen. Privatanleger*innen müssen über Krypto-Börsen Stablecoins kaufen und verkaufen – dort kann der Preis deutlich fallen, wie sich in den letzten Jahren immer wieder gezeigt hat. Trotz Stabilitätsversprechen können Nutzer*innen also Verluste machen. …für die Finanzstabilität: Große Reserven und Staatsanleihenbestände könnten Stablecoin-Herausgeber zu systemisch relevanten Akteuren an den Finanzmärkten machen. Verwerfungen bei den Stablecoin-Unternehmen könnten sich über diesen Kanal auf das weitere Finanzsystem übertragen. …für die Effektivität der Geldpolitik: Bei einer breiten Nutzung von Stablecoins, insbesondere wenn diese in US-Dollar denominiert sind, könnte die Effektivität der Geldpolitik geschwächt werden. Denn Bankeinlagen würden in Stablecoins umgeschichtet werden und es wären weniger Euro im Umlauf, durch welche die Geldpolitik der EZB in der Wirtschaft wirken kann. Tether: Gigant unter den Stablecoins Der Stablecoin USDT, herausgegeben vom Unternehmen Tether, macht fast 60 Prozent des Stablecoin-Marktes aus und ist mit Abstand der global größte Stablecoin. Der Stablecoin lohnt sich für Tether. Tether sitzt in El Salvador und unterliegt keiner Regulierung. Es bestückt seine Reserve frei mit teils riskanteren und nicht-regelkonformen Werten wie Gold, Ländereien und Bitcoin. Dafür liegen seine Profitmargen nach eigenen Angaben bei bis zu 99 Prozent. Doch für die Finanzstabilität stellt der Stablecoin-Gigant eine zunehmende Gefahr dar. Tether ist schon fast „too big to fail“ und hat erhebliche Auswirkungen auf das Finanzsystem. Es gehört mittlerweile zu den zwanzig größten ausländischen Haltern von US-amerikanischen Staatsanleihen und hält mehr Gold als Länder wie Schweden, Katar oder Australien. Ein Notverkauf seiner Reservevermögenswerte könnte die US-Staatsanleihenmärkte und damit das gesamte Finanzsystem beeinträchtigen. 7 | Was haben Big Tech wie Amazon, Google, Meta und Co. mit Stablecoins zu tun? Das neue US-Regelwerk GENIUS Act ermöglicht den größten Tech-Unternehmen der Welt (Big Tech) erstmals rechtssichere Wege, eigene Stablecoins herauszugeben. Doch dabei entsteht ein explosiver Mix. Denn Stablecoins und Big-Tech-Plattformen profitieren von denselben Netzwerkeffekten und verstärken sich gegenseitig im Wachstum. Dank ihrer Marktmacht und Ressourcen könnten Big-Tech-Konzerne ihre Stablecoins mühelos in ihre bestehenden Ökosysteme integrieren und sehr weit verbreiten. Der Konzern Meta (ehemals Facebook) besitzt schon heute eine globale Nutzerbasis von mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung. Das birgt massive Risiken für fairen Wettbewerb, die Finanzstabilität und die monetäre Souveränität Europas. Unsere Tochtergesellschaft Finanzwende Recherche hat dazu eine Analyse veröffentlicht. Der Traum von privatem Big-Tech-Geld ist nicht neu. 2019 kritisierten wir bereits Facebooks (heute Meta) Vorhaben einer eigenen digitalen Währung namens Libra, später Diem genannt. Letztendlich scheiterte das Projekt an massivem Widerstand aus Politik, Aufsicht und Zivilgesellschaft. Auch wir als Finanzwende organisierten gemeinsam mit Partnern 83.000 Unterschriften gegen Libra in der EU. An den Risiken von Big-Tech-Stablecoins hat sich bis heute wenig geändert. Deswegen fordern wir auch dieses Mal ein Verbot von Big-Tech-Stablecoins. Aktuell läuft unsere Petition zur Unabhängigkeit von ausländischen Zahlungsabwicklern, die einen Stopp für den Vormarsch von Big Tech in den Finanzsektor fordert. Auch der digitale Euro kann als öffentliches digitales Geld eine Antwort auf Stablecoins sein. Damit er seine Potenziale entfalten kann, muss er richtig ausgestaltet sein. Woran sich das orientieren soll, haben wir in unseren Leitlinien für einen digitalen Euro aufgeschrieben.
Unabhängigkeit von Trump und Co.? Unbezahlbar! Unser Kartenzahlungsverkehr hängt an wenigen US-Unternehmen. Das ist gefährlich. Europa muss unabhängig von Trump & seinen Tech-Milliardären werden! Jetzt unterzeichnen!
Tether: Gigant unter den Stablecoins Der Stablecoin USDT, herausgegeben vom Unternehmen Tether, macht fast 60 Prozent des Stablecoin-Marktes aus und ist mit Abstand der global größte Stablecoin. Der Stablecoin lohnt sich für Tether. Tether sitzt in El Salvador und unterliegt keiner Regulierung. Es bestückt seine Reserve frei mit teils riskanteren und nicht-regelkonformen Werten wie Gold, Ländereien und Bitcoin. Dafür liegen seine Profitmargen nach eigenen Angaben bei bis zu 99 Prozent. Doch für die Finanzstabilität stellt der Stablecoin-Gigant eine zunehmende Gefahr dar. Tether ist schon fast „too big to fail“ und hat erhebliche Auswirkungen auf das Finanzsystem. Es gehört mittlerweile zu den zwanzig größten ausländischen Haltern von US-amerikanischen Staatsanleihen und hält mehr Gold als Länder wie Schweden, Katar oder Australien. Ein Notverkauf seiner Reservevermögenswerte könnte die US-Staatsanleihenmärkte und damit das gesamte Finanzsystem beeinträchtigen.