Schattenbanken: Unwesen unter dem Radar 30.03.2026 Schattenbanken sind Finanzunternehmen, die ähnlichen Tätigkeiten wie Banken nachgehen. Ihr Anteil am globalen Finanzvolumen liegt mittlerweile bei über 50 Prozent und sie sind eng mit dem klassischen Bankensystem vernetzt. Finanzwende fordert mehr Transparenz im Schattenbanksektor und die Einführung von Eigenkapitalanforderungen, um Risiken für die Finanzstabilität einzudämmen. Wenn etwas aussieht wie eine Ente, quakt wie eine Ente und sich verhält wie eine Ente, dann ist es eine Ente – so lautet jedenfalls das Sprichwort. Aber was ist mit einer Institution, die aussieht wie eine Bank und sich verhält wie eine Bank? Oft ist sie keine Bank – sie ist eine Schattenbank. Schattenbanken entziehen sich weitgehend der Finanzaufsicht Schattenbanken ähneln Banken in vielerlei Hinsicht. Zum Beispiel leihen und verleihen sie Geld, genau wie klassische Banken. Allerdings tun sie dies im Schatten der Finanzaufsicht. Dort unterliegen sie kaum Regulierungen und ihre Aktivitäten sind nur schwer nachzuverfolgen. Anders als Banken verfügen Schattenbanken über keine Einlagen. Stattdessen sammeln sie Kapital von Anleger*innen über private Fonds. Dieses Geld setzen sie im Finanzsystem ein, um möglichst hohe Renditen zu erzielen. Die Europäische Zentralbank (EZB) unterscheidet zwischen drei grundlegenden Typen von Schattenbanken: 1. Investmentfonds Investmentfonds bündeln das Geld von Anleger*innen, um es in Aktien, Anleihen, Immobilien oder nicht-börsennotierte Unternehmen zu investieren. Die Risikobereitschaft und Renditeerwartungen hängen dabei ganz von der Art des Fonds ab. Diese variieren zwischen eher sicheren Fonds wie Geldmarktfonds oder ETFs und riskanteren Fonds wie Immobilien-, Private-Equity-, Venture-Capital und Hedgefonds. 2. Private Versicherungs- und Pensionsfonds Private Versicherungs- und Pensionsfonds verwalten große und breitgestreute Portfolios für ihre Beitragszahler*innen. Ihre Aktivitäten umfassen unter anderem das Anlegen in verschiedene Vermögenswerte, das Investieren in Fonds und das Bereitstellen von Liquidität. 3. Andere Schattenbanken Andere Schattenbanken umfassen Institutionen wie Wertpapierhändler, strukturierte Zweckgesellschaften, Treuhandgesellschaften oder Family Offices. Besonders Family Offices, die das Geld äußerst reicher Privatpersonen verwalten, sind kaum reguliert. Anteil der Schattenbanken am weltweiten Finanzvolumen steigt Der Anteil von Schattenbanken am weltweiten Finanzvolumen ist seit der Finanzkrise 2008 enorm gestiegen. 2024 betrug er schon 51 Prozent. Die EZB warnt vor einer zunehmenden Vernetzung von europäischen Banken und Schattenbanken. Einerseits finanzieren Schattenbanken einen erheblichen Teil der Bankbilanzen, andererseits erhalten sie selbst Kredite von ihnen. Diese gegenseitige Abhängigkeit birgt systemische Risiken und kann zu Ansteckungsgefahren führen, wenn Schattenbanken ins Wanken geraten. Quelle: Financial Stability Board (2025): Global Monitoring Reports on NBFI Kreditvergabe außerhalb des Bankensystems gefährdet Finanzstabilität Einer dieser fragilen und unregulierten Bereiche des Schattenbanksektors ist der private Kreditmarkt. Private Kreditgesellschaften (engl. „Private Credit“) sammeln Geld von Anleger*innen ein und vergeben diese als Kredite an Unternehmen. Das ist problematisch, denn Private-Credit-Fonds können aufgrund der geringeren Regulierung höhere Risiken eingehen. Sie finanzieren so auch Firmen, die bei klassischen Banken keinen Kredit bekommen würden. Über ein Drittel aller Kredite weltweit werden mittlerweile von privaten Kreditgesellschaften vergeben. Damit sich das Geschäftsmodell richtig lohnt, machen die Private-Credit-Unternehmen aber noch etwas anderes: Sie nehmen selbst Kredite auf. Diese schuldenfinanzierten Strategien stehen auf wackeligen Füßen. Denn anders als Banken können sich private Kreditgesellschaften bei größeren Zahlungsausfällen kein frisches Geld bei der Zentralbank besorgen. Gleichzeitig ist der Private-Credit-Sektor eng mit dem klassischen Bankensystem verflochten. Banken verleihen gerne Geld an die privaten Kreditgesellschaften, denn dort sind Regulierungen laxer und Renditen höher. Das birgt Gefahren für die Finanzstabilität. Jede Krise im Private-Credit-Geschäft kann umgehend auch auf das klassische Bankensystem übergreifen. Repo-Geschäfte erhöhen die Verwundbarkeit des Finanzsystems in Stressphasen Eine andere Finanzierungsquelle von Schattenbanken ist der Geldmarkt. Dort kann zum Beispiel ein Hedgefonds mit einem Pensionsfonds Sicherheiten – etwa Staatsanleihen – gegen Geld tauschen. Der Pensionsfonds erhält Zinsen und der Hedgefonds kann das Geld nutzen, um seine Geschäfte zu finanzieren oder andere Schulden zu begleichen. Zu einem vereinbarten Zeitpunkt wird dieser Tausch rückgängig gemacht. Beide Parteien können zu jedem Zeitpunkt den Tausch beenden. Diese Art der Finanzierung nennt man Rückkaufvereinbarungen (oder Repurchase Agreements, kurz Repos). Repos bergen große Risiken für die Finanzstabilität, denn sie können Schocks an den Märkten verstärken. Ein Beispiel aus der COVID-19-Pandemie in den USA zeigt wie gefährlich das sein kann: Als im März 2020 Panik die Finanzmärkte erreichte, verkauften viele Investor*innen US-Staatsanleihen, darunter waren auch Hedgefonds. Allein im März 2020 verkauften Hedgefonds 17 Prozent ihrer Anleihen, was zu großen Schwankungen an den Anleihemärkten führte. Hedgefonds finanzierten ihre Positionen fast vollständig über Repo-Kredite, die durch den Schock stark unter Druck gerieten. Die verunsicherten Geldgeber brauchten plötzlich selbst Liquidität und zogen ihre Repo-Finanzierung hastig zurück. Doch die Hedgefonds hatten das geliehene Geld bereits in neue Staatsanleihen investiert. Dadurch waren sie gezwungen, massiv Staatsanleihen zu verkaufen und fachten den Ausverkauf am Markt weiter an. Um schlussendlich den Ansturm zu unterbinden, sprang die US-Notenbank als Feuerwehr ein und löschte den Brand an den Märkten. Marktmacht von Finanzriesen begrenzen BlackRock, der ehemalige Arbeitgeber von Bundeskanzler Friedrich Merz, ist mit über 13 Billionen US-Dollar verwaltetem Vermögen der zentrale Machtfaktor auf den globalen Finanzmärkten. Durch seine dominierende Stellung im ETF-Geschäft, seine Beteiligungen an vielen großen Unternehmen sowie die Verbreitung seiner Risiko- und Steuerungssoftware Aladdin entstehen drei Kernprobleme: BlackRock kann den wirtschaftlichen Wettbewerb bremsen, dem Konzern kommt eine gefährliche Systemrelevanz zu und es gibt massive Interessenkonflikte. Wir finden: Die Politik muss dringend gegensteuern! Um BlackRocks Marktmacht zu reduzieren, muss der Finanzriese aufgespaltet werden. Die Marktmacht von BlackRock Der Fall BlackRock zeigt, wie sich wirtschaftliche und finanzielle Macht verselbstständigen, bis kein Staat sie mehr kontrollieren kann. Mehr erfahren Schattenbanken müssen besser reguliert werden Die geringe Regulierung von Schattenbanken erlaubt es ihnen, sich so hoch zu verschulden. Deshalb fordert Finanzwende strengere Regeln für diesen Sektor. Dazu gehören: Eigenkapital- und Liquiditätsstandards für Hedgefonds, damit sie bei Marktstress weniger Gefahr für das Finanzsystem darstellen. Eigenkapitalquoten für Private-Credit-Gesellschaften, sodass sie ähnlich streng reguliert werden wie Banken. Ein verpflichtendes Minimum an liquiden Mitteln, etwa in Form von Bargeld, Reserven oder kurzfristigen Staatsanleihen, damit Schattenbanken in Krisenzeiten nicht ins Wanken geraten. Entflechtung der Geschäftsbereiche von mächtigen Vermögensverwaltern wie BlackRock oder Vanguard, um die Marktmacht dieser Konzerne zu reduzieren. Beaufsichtigung von Schattenbanken durch die EZB, um regulatorische Schlupflöcher zu vermeiden und systemweite Risiken früher zu erkennen.
Die Marktmacht von BlackRock Der Fall BlackRock zeigt, wie sich wirtschaftliche und finanzielle Macht verselbstständigen, bis kein Staat sie mehr kontrollieren kann. Mehr erfahren