Standpunkt: Banken – Stoppt Negativzinsen für Sparer

Teambild Michael Verbraucherschutz
09.06.2022
Michael Möller

Michael Möller arbeitet bei Finanzwende an Themen rund um den Verbraucherschutz mit einem besonderen Fokus auf Geldanlagen und Kredite. Er studierte Philosophie, Volkswirtschaftslehre und Politische Theorie und war als Politikberater mit finanzpolitischem Fokus in Berlin tätig.

Die Banken sollten den Strafzins zügig abschaffen und Verbraucher entlasten!

Die Zinswende wirft ihre Schatten voraus: Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), kündigte jüngst eine erste Zinserhöhung für Juli an. Bereits Ende September sollen Negativzinsen wahrscheinlich schon passé sein.

Bei Krediten steigen die Zinsen schon jetzt spürbar. 

Verbraucherinnen spüren die Trendwende schon länger. Wer ein 10-Jahres-Darlehen zum Hausbau sucht, zahlt darauf mittlerweile gut 2,7 Prozent – mehr als das Doppelte als zu Jahresbeginn. Auch Ratenkredite sind teurer geworden.

Für Sparer hat sich allerdings bisher nicht viel geändert.

Die Zinsen auf Tages- und Festgeldkonten, sofern es welche gibt, bleiben nahe dem Nullpunkt. Besonders ärgerlich sind die Strafzinsen auf Bankguthaben. Derzeit zahlen Sparerinnen in der Regel Gebühren, wenn ihre Einlagen Freibeträge von beispielsweise 25.000 Euro überschreiten. Gleichzeitig erschwert die Inflation ohnehin jede Sparbemühung.

Banken und Sparkassen sollten die Negativzinsen abschaffen!

Die ersten Banken reagierten bereits auf die positive Zinsentwicklung. So schaffte etwa die ING Deutschland die Negativzinsen für fast alle Kundinnen faktisch ab. Denn zahlen muss dort nur noch, wer mehr als 500.000 Euro auf dem Konto hat. Ähnlich verfuhr die Oldenburgische Landesbank. Damit kommt die Zinswende langsam auch bei den Sparern an. Doch eine große Mehrheit der Institute hält weiterhin am Strafzins fest. 

Kein Wunder, denn manche Institute haben mit dem Strafzins üppige Einnahmen erwirtschaftet. Entsprechend zurückhaltend äußerten sich viele Institute Anfang des Jahres auf die Frage, wann sie die Negativzinsen abschaffen würden – obwohl diese sogar rechtlich umstritten sind. 

In der Finanzkrise 2008 garantierte die Politik die Spareinlagen wackeliger Banken mit Steuergeldern. Auch Sparerinnen hätten also im Garantiefall die Zeche gezahlt. Heute gibt es für die Branche die Gelegenheit, sich zu revanchieren und Sparern ein Stück Stabilität zurückzugeben.

Die Geldhäuser sollten die Zinswende zügig weitergeben und damit ein stabilisierendes Signal senden.

Das Mindeste, was Banken und Sparkassen daher tun können, ist, nicht bis zur allerletzten Sekunde weiter Negativzinsen zu erheben.  Die Geldhäuser sollten die Zinswende zügig weitergeben und damit ein stabilisierendes Signal senden. Auch wenn es Geld kostet: Banken und Sparkassen sind am Zug, etwas für ihre Kundinnen zu tun.