Standpunkt: Riester-Rentenreform – so wird das nix

16.12.2025
Britta Langenberg

Britta Langenberg ist Versicherungsexpertin bei Finanzwende und betreut den Bereich Verbraucherschutz sowie Versicherungs- und Vorsorgethemen. Sie ist gelernte Wirtschaftsjournalistin und hat lange für renommierte Magazine gearbeitet, etwa für Finanztest (Stiftung Warentest) und Capital. 

Die Bundesregierung will die Riester-Rente reformieren, wieder einmal. Dass die bisherigen Angebote zur staatlich geförderten privaten Altersvorsorge kompliziert, teuer und renditeschwach sind, ist kein Geheimnis – und schlägt sich denn auch seit Jahren in sinkenden Zahlen derjenigen Bürger*innen nieder, die mitmachen wollen. Das Vertrauen ist weg.

Zur Wiederbelebung der geförderten Rente hat die Bundesregierung nun einen 114 Seiten starken Referentenentwurf zur privaten Altersvorsorge auf den Weg gebracht. Statt die Kernprobleme der Vorsorgesparer*innen anzugehen, stellt sie allerdings nur kleinere Hebel um: Ja, das geplante Vorsorgedepot ohne Garantien ist eine Verbesserung. Und ja, das Ende der Zwangsrente lässt Sparer*innen mehr Freiheiten im Alter. Das ist gut so.

Aber lösen diese Verbesserungen die großen Probleme der Verbraucher*innen mit der zusätzlichen privaten Altersvorsorge? Nein, nicht wirklich.

Fangen wir mit den enormen Kosten der allermeisten Riester-Produkte an. Die hohen Abzüge führen dazu, dass oft zu wenig für den Vorsorgetopf der Kund*innen übrig bleibt: Hier geht es vor allem um die hohen Vertriebskosten, die die Finanzlobby erbittert verteidigt, weil es ihren Provisionsvertrieb am Laufen hält. Zwar sollen diese Kosten künftig über gesamte Laufzeit des Vertrags verteilt werden (statt wie bisher nur über fünf Jahre), an deren Höhe ändert das aber zunächst einmal nichts.  

Bei den neuen Riester-Standardprodukten soll zusätzlich ein Kostendeckel von 1,5 Prozent Effektivkosten die Begehrlichkeiten der Anbieter einhegen. Das ist immer noch viel – und gilt auch nicht für alle Riester-Verträge. Deshalb stellt sich die Frage: Warum sollten die Vertriebsleute der Finanzbranche solche Standardprodukte ins Schaufenster stellen, wenn sie mit anderen Angeboten deutlich mehr verdienen können? Ein Wettbewerb um kostengünstige Verträge findet schon bisher nicht statt.

Ein Wettbewerb um kostengünstige Verträge findet schon bisher nicht statt.

Schlimmer noch ist es um das zweite Problem vorsorgewilliger Bürger*innen bestellt: den einfachen Zugang zu guten Produkten. Statt eines einheitlichen Riester-Standardprodukts sind nämlich zig Versionen vorgesehen, weil jede Fondsgesellschaft, jede Bank und jeder Versicherer eine eigene Variante auflegt – zusätzlich zur üblichen Angebotsflut, wohlgemerkt.

Und die Kund*innen? Sollen sich zwischen Arbeitsalltag, Supermarkt und Kindergeburtstag halt da durchkämpfen. Wer nicht klarkommt und deshalb seinen Versicherungsvertreter oder die Bank fragt, landet wieder bei Problem eins: der Sache mit den Kosten.

Und die Kund*innen? Sollen sich zwischen Arbeitsalltag, Supermarkt und Kindergeburtstag halt da durchkämpfen.

An den Kernproblemen der Verbraucher*innen wird dieser Reformentwurf also kaum etwas ändern, weil er die eigentlichen Hürden für Vorsorgewillige nicht entschlossen genug angeht. Die Lösung für die meisten Menschen liegt eben nicht in noch mehr Riester-Varianten, die Anbieter auf den Markt werfen.  

Um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, braucht es eigentlich nur eine einzige Rückfalloption: ein einheitliches kostengünstiges und staatlich organisiertes Standardprodukt für alle, die einfach für den Ruhestand vorsorgen wollen.