Am Ende viel zu wenig: Neue Finanzwende-Studie zeigt dramatisch schlechten Kundennutzen von Riester- und Rürup-Angeboten

11.03.2026

Sehr geehrte Damen und Herren,

staatlich geförderte Riester- und Rürup-Renten bieten in ihrer jetzigen Form zu geringe Renditeaussichten. Das ist das zentrale Ergebnis einer neuen Studie der Bürgerbewegung Finanzwende zum Kundennutzen der geförderten privaten Altersvorsorge in Deutschland. „Viel zu viele Menschen werden mit ihren Riester- und Rürup-Verträgen reale Verluste einfahren”, sagt Britta Langenberg, Leiterin des Bereichs Verbraucherschutz bei Finanzwende. Daran werde auch die geplante Riester-Reform der Bundesregierung wenig ändern – zumindest nicht in der aktuellen Fassung. „Die geförderte private Altersvorsorge in Deutschland hat grundlegende Probleme, das zeigt unsere Studie mehr als deutlich. Die geplante Riester-Reform löst sie nicht.”

Für die Studie hat Finanzwende die Rendite-Erwartungen 37jähriger Musterkund*innen bei insgesamt 96 Riester- und Rürup-Rentenversicherungen untersucht (Stand der Daten: November 2025). Die zentrale Frage war: Haben die Produkte für Kunden tatsächlich einen Nutzen, sprich: Spielen sie mindestens die Produktkosten und einen langfristigen Inflationsausgleich ein? 

Das Ergebnis ist ernüchternd: Knapp zwei Drittel der untersuchten Produkte (65 Prozent) schaffen die 2-Prozent-Hürde nicht. Wer einen solchen Vertrag abgeschlossen hat, macht real also Verluste. „Die Latte liegt wirklich nicht besonders hoch – es geht lediglich darum, dass die Kundinnen und Kunden kein Geld verlieren”, sagt Moritz Cygan, Finanzwende-Referent für Verbraucherschutz und Autor der Studie. 

Besonderes Augenmerk legt die Studie auf die Auszahlungsphase – also auf die Frage, was Sparer*innen im Alter tatsächlich an Rente erhalten. Antwort: wenig. „Das lohnt sich hochgerechnet nur, wenn man ein wirklich hohes Alter erreicht”, sagt Moritz Czygan. Konkret müssen Riester-Kund*innen bei den untersuchten Angeboten 99 Jahre alt werden, damit sie wenigstens das gesamte Geld inflationsbereinigt zurückerhalten. Bei den Rürup-Angeboten sind es 96 Jahre. Ein wichtiger Grund dafür sind die hohen Abschluss- und Verwaltungskosten der Anbieter, ein weiterer die hohen Sicherheitsmargen in der Rentenzeit. 

Finanzwende fordert bei der geförderten privaten Altersvorsorge einen Systemwechsel – weg vom Dschungel aus zahlreichen Produktvarianten verschiedener Anbieter hin zu einem einzigen kostengünstigen und staatlich organisierten Standardprodukt.

Die geplante Riester-Reform sieht nun die Einführung eines Standardprodukts vor, auch ein Kostendeckel ist geplant. „Die Bundesregierung benutzt die richtigen Schlagworte, liefert aber inhaltlich keine Lösungen”, sagt Britta Langenberg. 

Wenn es um eine günstige Altersvorsorge für die Bevölkerung geht, sei der geplante Kostendeckel mit 1,5 Prozent viel zu hoch angesetzt. Viele Angebote lägen jetzt schon darunter, hätten aber trotzdem noch viel zu hohe Kosten. „Ein Kostendeckel von 1,5 Prozent deckelt nichts, sondern zementiert nur die existierenden Missstände”, sagt Langenberg. Nötig sei stattdessen ein Kostendeckel von maximal 0,5 Prozent Effektivkosten.

Die sogenannten Standardprodukte in dem aktuellen Gesetzentwurf seien ebenfalls keine gelungene Umsetzung der Idee, sagt Langenberg. Denn geplant sei eben kein einheitliches Produkt, sondern eher eine neue Kategorie. „Jeder Anbieter kann ein eigenes Standardprodukt auflegen, das Ergebnis werden zig zusätzliche Angebote sein – und damit ein noch unübersichtlicherer Markt.”

Die vollständige Studie und weitere Infos finden Sie hier: https://www.finanzwende.de/themen/verbraucherschutz/riester-rente/riester-und-rueruprenten-leider-teuer

Über Finanzwende

Die Bürgerbewegung Finanzwende ist ein überparteilicher Verein mit mehr als 20.000 Mitgliedern. Die unabhängige Interessenvertretung von und für Bürger*innen wurde im Jahr 2018 anlässlich des zehnten Jahrestages der Lehman-Brothers-Pleite gegründet. Als Gegengewicht zur Finanzlobby drängt sie auf stabilere, faire und nachhaltige Finanzmärkte. Durch Kampagnen und kritische Recherchen kämpft sie für ein gemeinsames Ziel: die Finanzwende – damit die Finanzwirtschaft den Menschen dient. https://www.finanzwende.de/ueber-uns/wer-wir-sind/