Riester- und Rüruprenten: Leider teuer

Studie: Wie hohe Kosten und schwache Renditeaussichten den Kundennutzen deckeln

11.03.2026
Studie zu Riester- und Rüruprenten: Leider teuer
  • Die Bundesregierung bastelt an einer Riester-Reform. Mal wieder. Allerhöchste Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme: Wie steht es um den Kundennutzen von staatlich geförderten Renten?
  • Eine neue Analyse von Finanzwende zeigt: Mit sehr vielen Riester- und Rürup-Rentenversicherungen fahren Versicherte reale Verluste ein. Ein guter Teil des eingezahlten Geldes landet erst gar nicht in ihrem Spartopf.
  • Die geplante Reform löst keine zentralen Kundenprobleme. Finanzwende plädiert für einen echten Wechsel zu einem einzigen kostengünstigen und staatlich organisierten Standardprodukt für alle, die einfach vorsorgen wollen.

In nicht einmal vier Minuten ist Finanzminister Lars Klingbeil fertig. Als er im Bundestag den Regierungsentwurf zur Reform der geförderten Zusatzvorsorge vorstellt, redet er von einem wichtigen Gesetz. Es gehe um „private Altersvorsorge für alle, für alle Generationen und für alle Einkommen.“ Und er verspricht: „Wir machen es für alle leichter.“

Ähnlich rosig waren die Zukunftsaussichten vor knapp 25 Jahren. Damals präsentierten SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder und sein Arbeitsminister Walter Riester die neue Zusatzrente, nachdem sie zuvor das Niveau der gesetzlichen Rente runtergefahren hatten. Und Riester versprach: „Jede Rentnerin und jeder Rentner wird jetzt und in Zukunft mehr Rente erhalten als nach altem Recht.“

An wohlklingenden Worten fürs Volk mangelte es nicht bei der geförderten Zusatzvorsorge, dafür umso mehr an wirksamen Taten. Fast ein Vierteljahrhundert nach dem Auftakt gilt die Riester-Rente als restlos gescheitert. Und nun soll es die nächste Reform richten?

Laut aktuellem Gesetzesentwurf soll die geförderte Rente attraktiver und effizienter werden, genauer: „kostengünstiger, renditestärker, unbürokratischer, flexibler, einfacher und transparenter“. Soweit das Vorhaben.


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Neue Studie von Finanzwende

An diesem Anspruch muss sich die Reform messen lassen, obwohl der Status Quo der geförderten Vorsorge betrüblich genug ist. Für die Diskussion um die Zukunft der Altersvorsorge liefert Finanzwende frische Zahlen: Wie steht es heute um die geförderte Zusatzvorsorge? Welchen Mehrwert liefern sie Kund*innen? Und wie viel des eingezahlten Geldes landet eigentlich beim Anbieter?

In der Studie hat Finanzwende insgesamt 18 Riester- und 78 Rürup-Rentenversicherungen untersucht, deren Daten im November 2025 über die offiziellen Muster-Produktinformationsblätter erhoben wurden. Die Frage war:  Welchen Nutzen stiften die Angebote für Sparer*innen, die heute Kapital zurücklegen, um im Alter mehr Geld zum Leben zu haben?

Das Ergebnis ist trotz zuletzt gestiegener Zinsen trostlos: Zwei Drittel der Rententarife für Männer und Frauen erreichen über die gesamte Vertragslaufzeit nicht einmal das Mindestziel, eine Rendite von 2 Prozent. Will sagen: Die meisten Versicherten machen real Verlust.

Auch die Kosten machen wenig Freude. Im Marktmittel bleiben 35 bis 45 Prozent des eingezahlten Geldes zunächst beim Anbieter hängen. In diesem Wert sind neben den maximalen Abschluss- und Verwaltungskosten auch gesonderte Sicherheitszuschläge für den Versicherungsschutz berücksichtigt.

Der Niedergang der Riester-Rente ist schon seit Jahren offenkundig. Der Bestand an Verträgen schwindet zusehends, im Jahr 2024 waren es nicht einmal mehr 15 Millionen. Ein Fünftel bis ein Viertel von ihnen wird nicht mehr bespart, Millionen sind gekündigt und tauchen in gar keiner Statistik mehr auf.

Das ist eine schlechte Bilanz – was die Zusatzvorsorge der Bevölkerung betrifft, aber auch gesellschaftlich gesehen. Schließlich fließt viel Steuergeld in die Förderung. Allein im Jahr 2023 wurden Riester-Verträge mit 3,3 Milliarden Euro subventioniert. Seit dem Start 2002 waren es insgesamt mehr als 60 Milliarden Euro.

Kundennutzen? Nicht allzu oft

Wie wenig in vielen Fällen für die Altersvorsorge hängen bleibt, zeigt die Studie von Finanzwende zum Kundennutzen der Förderrenten: Finanzwende hat die Renditeerwartungen für 96 Angebote von 37-Jährige Musterkund*innen berechnet, genauer: für 18 Riester- und 78 Rürup-Tarife. Und festgestellt: Der Mehrwert der meisten Angebote ist für Versicherte zu gering.

Nur bei einer Minderheit der Verträge dürfen Kund*innen über die Vertragslaufzeit eine Zielrendite von 2 Prozent erwarten.

Das Minimalziel von 2 Prozent hat Finanzwende als Marke gesetzt, um den Kundennutzen zu messen. Die Idee dahinter: Langlaufende Vorsorgeverträge sollten mindestens die Produktkosten und einen Inflationsausgleich von 2 Prozent einspielen. Das entspricht dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank.

Angemessener Nutzen ist Pflicht

Die Finanzaufsicht BaFin verfolgt das Thema Kundennutzen mittlerweile beharrlich. Auch nach ihrer Lesart müssen kapitalbildende Lebensversicherungen ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Versicherungsaufseherin Julia Wiens begründet das so: „Das Vertrauen der Kundinnen und Kunden entsteht nicht einfach so. Die Versicherer müssen es sich verdienen. Mit Produkten, die Kundinnen und Kunden einen angemessenen Nutzen bieten.“

Doch nur wenige Riester-Tarife schaffen das Minimalziel von 2 Prozent Rendite, das Finanzwende gesteckt hat. Lediglich ein Angebot für Männer erreichte das Ziel, bei Frauen waren es vier. Für Rürup-Kund*innen stehen die Chancen etwas besser: Von 78 Tarifen erreichten 19 (Männer) beziehungsweise 43 Tarife (Frauen) einen Inflationsausgleich.

Trotz gestiegener Zinsen und Überschüsse blieben die mittleren Renditen klar unter der Zielmarke, bei Riester-Angeboten mit 1,14 Prozent (Männer) und 1,68 Prozent (Frauen) sogar sehr deutlich. Solche Renditen sind aber bloße Erwartungswerte, weil sie für Zeiträume von 50 Jahren oder mehr hochgerechnet werden.

Wichtig zu wissen: Finanzwende errechnet reine Produktrenditen. Die persönliche Rendite von Riester-Sparer*innen kann jedoch deutlich höher liegen, zum Beispiel bei Menschen, die viele Kinderzulagen erhalten. Im Einzelfall kann sich ein Riester-Angebot individuell also dennoch lohnen.

Die Rentenzeit wird zu oft ausgeblendet

Während die Sparzeit viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, wird die Rentenzeit vielfach ausgeblendet. Zu Unrecht, denn bei der geförderten Vorsorge kommen Versicherte im Regelfall nicht um die spätere Auszahlung als Monatsrente herum. Es kommt daher auch auf Renditen und Konditionen im Rentenbezug an.

So sieht das auch die Versicherungsaufsicht BaFin – und erhob unlängst, wie die Versicherer in der Rentenzeit ihre Kund*innen an Überschüssen beteiligen. Das Ergebnis habe ihr „nicht gefallen“, tat Chef-Versicherungsaufseherin Wiens kund. Mehr als die Hälfte der Lebensversicherer habe keine Risikoüberschüsse ausgeschüttet. Den Ursachen wolle man nun auf den Grund gehen.   

Tatsächlich sind die Erträge in der Rentenzeit oft bescheiden. Männer schneiden schlechter ab als Frauen, weil diese im Schnitt länger leben und Geld beziehen. In Einzelfällen sind die Renditen für Männer negativ. Diese Kunden machen Verlust.

Die Versicherungsbranche sieht sich in Sachen Altersvorsorge im Vorteil. Versicherer bieten als einzige eine lebenslange Verrentung an. Gleichzeitig kalkuliert die Branche aber eben auch mit sehr hohen Lebenserwartungen ihrer Kund*innen.

Die lebenslangen Renten fallen trotz fünfstelliger Ersparnisse entsprechend schmal aus: Bei typischen Riesterverträgen in der Untersuchung beträgt die mittlere Monatsrente 139 Euro, bei typischen Rürup-Verträgen sind es 153 Euro. Solche Zahlen kommen bei Interessenten nur mäßig an.

Um die Relevanz ihrer lebenslangen Zahlung zu untermauern, führen Vorstände der Branche neuerdings gern ihre ältesten Versicherten ins Feld – und den Methusalem-Faktor. Herbert Schneidemann, Chef der Bayerischen, verwies unlängst auf einen Vertrag aus dem Jahr 1937, R+V-Chef Norbert Rollinger argumentierte mit einer 105-jährigen Kundin.

Über die Frage, wie gut Rentenversicherungen für die Masse der Privatrentner*innen taugen, sagt das aber leider nichts aus.

Wer verdienen will, muss sehr alt werden

Im Ergebnis müssen Riester-Versicherte rund 99 Jahre alt werden, bevor sie das eingezahlte Geld samt Inflationsausgleich wieder hereingeholt haben. Rürup-Rentner*innen erreichen das schon etwas früher, im Alter von 96.

Die Spanne zwischen Anbietern und Tarifen ist allerdings groß. Im besten Fall erhalten Riesterkund*innen das eingezahlte Geld samt Inflationsausgleich schon mit 89 Jahren zurück, im schlechtesten Fall erst im Alter von 106.

Wie sich die hohen Sicherheitsmargen der Versicherer auswirken, zeigt der Vergleich mit einer realistischeren Lebenserwartung für Versicherungskund*innen. Demnach erreichen heute 37-jährige Frauen ein Alter von 93 Jahren. Um ihr Geld samt Inflationsausgleich rauszubekommen, müssten Riester-Sparer*innen ihren Jahrgang also stolze sechs Jahre überleben.  

Die Aufsicht fordert immerhin, dass diese hohen Sicherheitsmargen nicht einseitig zu Lasten der Versicherungsnehmer*innen gehen dürfen.

Ein Kostendeckel, der keiner ist

Das zweite große Kundenproblem sind die hohen Kosten. Das ist amtlich. Die BaFin erklärte die hohen Kosten von kapitalbildenden Versicherungen zu einem von drei wichtigen Verbraucherrisiken 2026. 

Bei ihrem Reformvorhaben in Sachen Riester-Rente will die Bundesregierung dem leidigen Dauerthema nun mit einem Kostendeckel begegnen – jedenfalls bei neuen Standardprodukten, die den Verbraucher*innen mehr Orientierung bieten sollen.

Und da fängt das Problem schon an: Laut Gesetzesentwurf ist nämlich nicht ein einheitliches Standardprodukt vorgesehen, sondern jeder Anbieter kann ein eigenes auflegen. Sprich: Es wird wohl zig Standardprodukte geben – zusätzlich zur üblichen Angebotsflut ohne Kostenbeschränkungen.

Noch mehr Angebote in Sicht

Und was machen Kund*innen? Sollen sich mal wieder entscheiden. Dabei sind schon jetzt viele mit der komplexen Auswahl überfordert. Bei einer staatlich geförderten Zusatzrente ist das aber kein persönliches Pech, sondern ein gesellschaftliches Problem.

Das nächste Thema ist der Kostendeckel selbst. Die Bundesregierung will nach den bisherigen Plänen maximal 1,5 Prozent Effektivkosten zulassen. Zum Verständnis: Nur was der Versicherer oberhalb dieser Kennzahl an Rendite erwirtschaftet, können Sparer*innen effektiv als eigene Rendite verbuchen. 

Doch der geplante Zielwert von 1,5 Prozent ist absurd hoch, wie Finanzwende-Zahlen belegen. Schon heute liegen die durchschnittlichen Effektivkosten bei typischen Riester-Verträgen in unserer Auswertung leicht unterhalb dieses Werts, nämlich bei 1,46 Prozent.

Im Ergebnis hieße das: Die hohen Kosten von Riester-Verträgen würden durch den Klingbeil-Deckel nicht abgesenkt, sondern vielmehr gesetzlich zementiert.

Warum viel zahlen, wenn weniger machbar ist?

Dagegen setzte sich jüngst auch der Bundesrat in seiner Stellungnahme energisch zur Wehr. Er forderte – wie auch viele Verbraucherschützer*innen – einen deutlich niedrigeren Wert. Dass es günstiger geht, ist ohnehin unbestritten. Viele günstige ETFs kommen mit 0,3 Prozent Kosten aus, der staatlich organisierte Schweden-Fonds AP7 sogar mit 0,1 Prozent.

Da stellt sich die Frage: Warum sollten staatlich geförderte Vorsorgesparer*innen hierzulande das 5- bis 15-fache zahlen? Die Antwort steht aus.

Aus Sicht von Finanzwende ist gerade bei staatlich geförderten Produkten ein strikter Kostendeckel nötig – maximal 0,5 Prozent Effektivkosten sind möglich. Alles, was darüber liegt, ist zu viel. 

Beim Sparerfolg macht der Kostendeckel durchaus für jeden Einzelnen einen Unterschied, wie die nächste Grafik zeigt. Es geht schnell um mehrere Tausend Euro, die zusätzlich fürs Alter bleiben – oder eben nicht.

Ein Drittel des eingezahlten Geldes sind Abzüge

Finanzwende hingegen weist in der Studie die Kosten für Kunden*innen nicht als Effektivkosten aus. Stattdessen wurde berechnet, welcher Anteil des eingezahlten Geldes maximal in Abschluss- und Verwaltungskosten fließt sowie für gesonderte Sicherheitsmargen in der Rentenzeit. 

Über die gesamte Vertragslaufzeit gerechnet, erweist sich, dass ein guter Teil des eingezahlten Geldes bei den Anbietern landet. Bei Riester-Angeboten ging im Schnitt maximal ein Drittel des eingezahlten Geldes für Abzüge drauf. Konkret heißt das: Von 100 eingezahlten Euro landen im Mittel bis zu 35 Euro beim Anbieter. Bei teuren Versicherern sind aber auch bis zu 46 Prozent Kosten drin. 

Für Kund*innen sind die hohen Abzüge ein Problem, auch wenn die Versicherer weniger brauchen sollten als sie einkalkuliert haben. Generell gilt: Je mehr Geld beim Anbieter landet, desto niedriger ist die Kundenrendite.

Finanzwende-Fazit

Das Kernproblem von staatlich geförderten Renten – hohe Kosten und unübersichtliche Angebote – zeigt die Finanzwende-Auswertung erneut deutlich. Insbesondere Riester-Renten sind häufig viel zu teuer, die Renten bleiben entsprechend überschaubar.

Umso negativer ist zu bewerten, dass die aktuellen Reformpläne für die Riester-Rente diese beiden zentralen Kundenprobleme nicht ernsthaft anpackt. Auch Wissenschaftler*innen sind teilweise skeptisch und bemängeln „Stückwerkelei“.

Wenn die Bundesregierung das Vertrauen der Bürger*innen in die private Zusatzrente zurückgewinnen will, braucht es daher einen klaren Schnitt: Die Kosten der Angebote müssen deutlich runter. Und es braucht einen einfachen Zugang für Sparer*innen, die etwas für ihr Alter tun wollen. Am einfachsten ginge das mit einem einzigen einfachen, kostengünstigen und staatlich organisierten Vorsorgeprodukt.

Dann würde wirklich vieles leichter – und die markigen Worte von Vize-Kanzler Lars Klingbeil wären gerechtfertigt.


Fragen und Antworten zur Studie

Die Bundesregierung hat im Dezember 2025 eine Reform für die zusätzliche private Altersvorsorge vorgelegt, sprich: für die Riester-Rente. Finanzwende hat ermittelt, wo die geförderte Zusatzvorsorge aktuell in Sachen Kundennutzen steht: Welchen Mehrwert liefern die Riester- und Rürup-Renten, welche Renditen können Kund*innen erwarten – und wie viel vom eingezahlten Geld geht für Kosten drauf?

Aus Sicht von Finanzwende sind das wichtige gesellschaftliche Fragen, denn das Ziel ist eine zusätzliche Altersvorsorge für die Bevölkerung. Aus diesem Grund fördert der Staat die rund 10 Millionen Riester- und knapp 3 Millionen Rürup-Versicherungen auch mit Zulagen oder Steuervorteilen. Schon weil diese Förderung aus Steuergeldern finanziert wird, dürfen Bürger*innen bei Förderrenten ein ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis erwarten.

Ziel der Bundesregierung ist es laut Gesetzesentwurf, die private Zusatzvorsorge attraktiver zu machen, um ihre Verbreitung zu fördern. Die Angebote sollen einfacher, kostengünstiger, renditestärker und flexibler werden als die bisherige Riester-Rente. Soweit der Plan. 

Finanzwende ist jedoch überzeugt, dass der Regierungsentwurf die zentralen Probleme für Verbraucher*innen nicht löst – allen voran bei den Kosten und beim Standardprodukt. Ähnlich kritisch sieht das auch der Bundesrat in seiner Stellungnahme von Anfang Februar.  Finanzwende plädiert schon seit Jahren für einen Systemwechsel hin zu einem einzigen einfachen, kostengünstigen und staatlich organisierten Vorsorgeangebot für alle.

Riester- und Rürup-Renten sind in zwei Phasen unterteilt: Zuerst kommt eine Sparzeit, in der durch regelmäßige Beiträge Kapital aufgebaut und verzinst wird. Danach wird das Sparkapital üblicherweise verrentet und ausgezahlt (Rentenzeit).

Die bisherige Pflicht zur Verrentung bedeutet:  Versicherte können zum Rentenbeginn nicht frei entscheiden, ob sie das gesamte Geld auf einmal erhalten wollen oder eine Rente beziehen. Stattdessen wird das Geld regelmäßig in eine lebenslange Rente umgewandelt – bei Rürup-Verträgen das komplette Alterskapital, bei Riester-Renten mindestens 70 Prozent des Sparkapitals. So ist es gesetzlich festgelegt.

Laut Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sind Unternehmen gehalten, dafür zu sorgen, dass ihre Produkte Kund*innen einen „angemessenen“ Nutzen bringen. Das hat die BaFin in einem Merkblatt festgelegt. Es geht also um ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis.

Aus Sicht von Finanzwende dürfen Kund*innen bei langfristigen Vorsorgeprodukten erwarten, dass diese mindestens die anfallenden Kosten und eine Inflation von jährlich 2 Prozent ausgleichen. Dieses Kriterium gilt für alle kapitalbildenden Versicherungen. Schlussendlich zählt für Versicherte, was tatsächlich auf ihrem Vorsorgekonto landet.

Mit einem Renditeziel von 2 Prozent liegt die Messlatte zudem nicht hoch. Für Versicherte bedeutet das: Sie haben am Ende der Laufzeit die Nulllinie erreicht, also real kein Geld verloren. Es kann auch schlechter kommen, wenn die Inflation deutlich oberhalb von 2 Prozent liegt. Das ist möglich wie die Jahre seit 2020 zeigen.

Über die Renditen und Konditionen in der Auszahlungsphase reden die Anbieter nicht gerne. Sie sind aber wichtig für auskömmliche Altersrenten.

Das liegt insbesondere daran, dass geförderte Riester- und Rürup-Renten bislang stets die Verrentung des ersparten Kapitals vorsehen. Ob ein Angebot auf Lebenszeit einen Mehrwert bietet, lässt sich daher nur beurteilen, wenn man Spar- und Rentenzeit betrachtet. Sonst blendet man quasi eine Vertragshälfte aus.

Außerdem unterscheiden sich auch in der Rentenzeit die Konditionen von Anbieter zu Anbieter erheblich: Um die eingezahlten Gelder inflationsbereinigt zurückzuerhalten, muss man unserer Auswertung zufolge zwischen 86 und 109 Jahre alt werden – je nach Angebot.

Nein, diese Schlussfolgerung funktioniert nicht. Die Renditeerwartung allein reicht nicht aus, um den persönlichen Nutzen eines Vertrages zu beurteilen. Es geht es auch darum, ob der Vertrag zur eigenen Lebensplanung passt, faire Bedingungen enthält und den Kund*innen genügend Spielraum lässt. Außerdem kommt es bei Riester-Renten auf die individuelle Förderung an.  

Die erwartete Rendite liefert somit erste Anhaltspunkte. Um sich final für oder gegen ein Produkt zu entscheiden, sollten jedoch auch die übrigen Faktoren stimmen.

Eine erfolgreiche Kapitalanlage des Anbieters ist über die gesamte Dauer des Vertrages wichtig. In der Sparzeit wird dieser Kapitalertrag für Kund*innen massiv durch Gebühren geschmälert. In der Rentenzeit drücken insbesondere die Annahmen der Versicherer für die Lebenserwartung auf die Renditeerwartung der Kund*innen.

Ein wesentlicher Grund für die niedrigen Renditen sind die ungünstigen Konditionen besonders die Annahmen der Versicherer, wie alt Kund*innen werden. Für Versicherte ist kaum zu durchschauen, welche Folgen diese Annahmen auf die Renditen in der Rentenzeit haben. In den offiziellen Produktblättern sucht man vergeblich nach Werten.

Kurzum: Die Konditionen für lebenslange Renten werden bislang zu selten diskutiert. Sie beruhen immer auf Annahmen, insbesondere zur Lebenserwartung.

Versicherer kalkulieren meist mit einer sehr hohen Lebenserwartung ihrer Kund*innen und schlagen zusätzlich Sicherheitspuffer obendrauf. Viele Angebote unterstellen einem heute 37-Jährigen Mann, dass er im Durchschnitt 96 Jahre alt wird. Bei gleichaltrigen Frauen kalkulieren sie sogar oft mit dem Alter 100. Teils fallen die Konditionen noch ungünstiger aus.

Je höher der Versicherer die Lebenserwartung der Versicherten ansetzt, desto geringer fällt deren monatliche Rente aus – schließlich muss das Kapital für einen längeren Zeitraum reichen.

Ein zweiter Faktor für die Rendite in der Rentenzeit ist die Kapitalanlage. Es geht also darum, wie erfolgreich der Versicherer das Vermögen anlegt und wie fair er die Kund*innen am Erfolg beteiligt. Finanzwende hat aktuell bei typischen Verträgen eine jährliche Rentensteigerung von 1,7 Prozent angenommen. Wenn die Überschüsse steigen, kann die Rendite auch höher ausfallen.

Die hohen Kosten sind ein entscheidender Grund, warum bei vielen Kund*innen trotz langer Sparzeiten so wenig für die Altersvorsorge übrigbleibt.

Die Gesamtkostenquote nach Finanzwende gibt an, welcher Teil des eingezahlten Geldes maximal für Abschluss- und Verwaltungskosten kalkuliert wird und berücksichtigt zusätzlich einen Teil der Absicherung des Langlebigkeitsrisikos. Die Ergebnisse haben es in sich: Für Riester-Verträge weist Finanzwende eine mittlere Kostenquote von rund 35 Prozent aus. Von 100 eingezahlten Euro landen also bis zu 35 Euro beim Anbieter.

Während die Rendite in der Sparzeit hauptsächlich durch die Abschluss- und Verwaltungskosten gemindert wird, sind es für die Rentenzeit vor allem ungünstige Annahmen zur Lebenserwartung.

Im Gegensatz zu Finanzwende geben Anbieter in den Muster-Produktblättern eine Effektivkostenquote an. Sie zeigt an, wie stark die mögliche Rendite durch Kosten für Abschluss, Vertrieb und Verwaltung des Vertrags gemindert wird für genau eine bestimmte angenommene Wertentwicklung und Spar- und Beitragszahlungsdauer. Ändert sich nur einer dieser Parameter können die Effektivkosten ganz anders ausfallen. Die Absicherung der Langlebigkeit ist dort aber nicht berücksichtigt.

Nein, denn es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass Versicherer in ihren Muster-Informationsblättern die höchstmöglichen Kosten angeben. Das ist auch sinnvoll, denn diese Obergrenze ist der einzige verlässliche Wert für die Kund*innen.

Fakt ist: Viele Policen sind schlicht zu teuer, um am Ende einen angemessenen Kundennutzen zu ermöglichen. Diese Kritik teilt auch die BaFin: Sie erklärte die hohen Kosten von kapitalbildenden Lebens- und Rentenversicherungen in ihrem Risikobericht 2026 zu einem von drei wichtigen Risiken für Verbraucher*innen.

Bei der Berechnung der Renten-Renditen hat Finanzwende eine andere Grundlage für die Lebenserwartung gewählt als die Versicherer – in der Fachsprache wird dies als Sterbetafel 2. Ordnung bezeichnet.

In unserem Modell gehen wir davon aus, dass die Kund*innen im Durchschnitt sieben Jahre kürzer leben, als die Versicherer in ihren Kalkulationen ansetzen. Wir halten die Einschätzung für deutlich realistischer. Am einfachsten zeigt sich der Unterschied an einem Beispiel: Während Finanzwende Recherche davon ausgeht, dass heute 37-jährige Frauen im Schnitt 93 Jahre und Männer 89 Jahre alt werden, rechnen die Versicherer üblicherweise mit einem deutlich höheren Alter. Sie unterstellen eine Lebenserwartung von 100 Jahren bei Frauen und 96 Jahren bei Männern.

Man muss allerdings der Fairness halber ergänzen, dass die Versicherungsgesellschaften nicht völlig frei entscheiden: Die Aufsicht hält sie dazu an, mit sehr hohen Lebenserwartungen zu kalkulieren, um die langfristige Zahlungsfähigkeit sicherzustellen.