Interview mit Finanzwende-Fellow Margarethe Quehenberger

01.07.2026
Margarethe Quehenberger

Für die Volkswirtin und Absolventin des College of Europe stand die europäische Geld- und Finanzpolitik im Zentrum ihrer Berufslaufbahn mit Stationen bei der Oesterreichischen Nationalbank, dem österreichischen Finanzminister, der Investitionsbank Berlin und der Europäischen Investitionsbank. Dort lag ihr Schwerpunkt im operativen Management von Unternehmenskrediten. Mit ihrem Fachwissen unterstützt Margarethe Quehenberger Finanzwende seit Juli 2026 als Fellow.

1 | Welcher Themenbereich am Finanzmarkt liegt Ihnen besonders am Herzen?

Finanzmarktstabilität ist mein Hauptanliegen. Banken und Finanzkrisen haben in der Vergangenheit immer wieder zu Rezessionen und milliardenschweren Rettungsaktionen auf Kosten der Steuerzahler geführt. Die, die die Zeche zahlten, waren bekanntlich nie die gleichen, die vorher gefeiert hatten. Das ist eine große Ungerechtigkeit, aber kein Naturgesetz. Gute Finanzmarktregulierung und ihre Umsetzung kann dagegen helfen.

Es ist ein Mythos, dass ein besser reguliertes Bankensystem zu niedrigerem Kreditangebot, Innovationsstau und Wachstumseinbruch führt. Das Gegenteil ist der Fall.

Was wir brauchen ist Regulierung, die mit der rasant fortschreitenden Digitalisierung Schritt hält und auf die globalen Herausforderungen wie Klimawandel, geopolitische Konflikte, extreme Marktmacht Einzelner und organisierte Kriminalität Antworten gibt.

2 | Was ist Ihr Spezialgebiet?

Ich habe zwei Kerngebiete: Erstens, die Bankenregulierung und speziell das Kreditgeschäft der Banken, durch meine Tätigkeit bei der Europäischen Investitionsbank. Zweitens, die Geld und Währungspolitik durch meine Arbeit für die Oesterreichische Nationalbank. Neben der bereits erwähnten Bankenregulierung interessiert mich auch, was im Bereich der weniger regulierten Finanzgeschäfte passiert, den sogenannten Schattenbanken,  Krypto und Co. Wie gehen wir damit um, dass Tech-Milliardäre in das Finanzgeschäft einsteigen? Im Bereich der Zahlungsdienstleistungen ist es mit Apple Pay oder Google Pay bereits geschehen. Durch Stablecoins könnten Tech-Unternehmen sogar im großen Stil privates Geld schaffen. Die mit der Digitalisierung einhergehende Abhängigkeit von uns Europäern von vor allem US-Finanzakteuren ist dramatisch und hat mich zum Engagement für die Einführung des digitalen Euro als öffentlichem Gut bewegt.

3 | Warum engagieren Sie sich mit diesem Expertenwissen bei der Finanzwende?

Ich bin ein politischer Mensch und interessiere mich für die Gestaltung öffentlicher Belange. Beruflich war ich jahrzehntelang nur meinen Arbeitgebern und meinem Gewissen verpflichtet. Ich freue mich, nun mein Expertenwissen ehrenamtlich in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Mir gefällt der überparteiliche Ansatz von Finanzwende, und wie sie sich als Gegengewicht zu finanzstarken Lobbys positioniert, und sich mit Analyse und Fakten Gehör verschafft. Gerade bei Finanzthemen, die mit Zahlen jenseits unserer Vorstellungswelt verbunden sind, ist es für uns alle schwer, uns eine Meinung zu bilden. Genauso schwer ist es für die politischen Entscheidungsträger*innen und Medien, diese Debatten fachlich zu durchdringen und verständlich zu argumentieren. Finanzwende leistet hier wertvolle Aufklärungsarbeit auch aus demokratiepolitischer Sicht.

4 | Blick auf die Zukunft: Wie sieht der Finanzmarkt nach einer erfolgreichen Wende aus?

Die Interessen der Bürgerinnen und Bürger an einem stabilen Finanzsystem schlagen sich in einer klugen und effizient umgesetzten Regulierung nieder, die auch Nachhaltigkeitsrisiken angemessen erfasst. Aufkommenden Finanzkrisen wird früh gegengesteuert, und sie werden wirksam abgewendet. Finanzkriminalität wird durch Schließen von Gesetzeslücken und effektive Verfolgung als eine Straftat wie jede andere behandelt. Dem exponentiellen Wachstum unvorstellbar großer Vermögen Einzelner werden Schranken gesetzt.

Nach einer erfolgreichen Finanzwende ist das Vertrauen von Bürger*innen in staatliches Handeln, die Daseinsvorsorge und die Demokratie gestärkt.