Was machen Unternehmen aus ihren Gewinnen?

Neuer Bericht zeigt: Aktionäre werden priorisiert

04.11.2021
  • Ein neuer Bericht zeigt: Große Firmen priorisieren die Interessen ihrer Aktionäre. Die Interessen anderer Gruppen geraten dadurch immer wieder unter die Räder.
  • Dies zeigt sich durch zu geringe ökologische Investitionen, niedrige Lohnsteigerungen und hohe Ausschüttungen.
  • Die Politik sollte Unternehmen stärker in die Pflicht nehmen, damit sie einen größeren Beitrag zum Klimaschutz und zum Schutz der Menschenrechte leisten.

Was machen große Unternehmen mit Ihren Gewinnen? Diese Frage stellt ein neuer Bericht von Oxfam Deutschland und Finanzwende Recherche in den Mittelpunkt. Die Studie macht anhand der Untersuchung von 30 DAX-Unternehmen deutlich, dass der Gewinn in immer stärkerem Maß den Aktionären zugutekommt. Zwischen 2009 und 2020 stiegen die Gewinne der untersuchten Unternehmen um 48 Prozent. Die Ausschüttungen legten in diesem Zeitraum mit 85 Prozent deutlich stärker zu und das, obwohl aufgrund der Klimakrise enorme Herausforderungen vor vielen Firmen liegen. Manche Unternehmen hielt selbst ein Verlust nicht davon ab, Geld an die Aktionäre auszuschütten.

Der Bericht macht deutlich, dass aber nicht nur die ökologischen Investitionen hinter dem Notwendigen zurückbleiben. Wir haben im Rahmen unserer Kampagne zu Dividendenausschüttungen in der Corona-Krise bereits kritisiert, dass in der Krise viele Arbeitnehmerinnen Lohneinbußen hinnehmen mussten, während üppige Dividenden an Aktionäre fließen. Doch auch innerhalb der Unternehmen gibt es extreme Entwicklungen. So sind Gehälter der Top-Managerinnen über die letzten Jahre deutlich schneller gewachsen als die ihrer Angestellten. Der Chef von Linde Steve Angel erhält sogar das 245-fache des durchschnittlichen Gehalts seiner Mitarbeiterinnen. So wird die Ungleichheit verstärkt.

Die Studie zeigt am Beispiel von Adidas auch, dass Firmen entlang der Lieferkette beispielsweise existenzsichernde Löhne durchsetzen und immer noch an die Aktionäre ausschütten könnten. Auch deutlich höhere ökologische Investitionen wären möglich. Das heißt, der Ruf nach Staatshilfen und Subventionen ist oftmals finanziell nicht gerechtfertigt. Firmen sollten mehr Verantwortung tragen. Hier muss die Politik endlich reagieren und Unternehmen stärker in die Pflicht nehmen. So sollten Ausschüttungen klarer begrenzt werden und Unternehmer konkreter dazu verpflichtet werden, auch die Interessen anderer Gruppen stärker zu berücksichtigen. Hier besteht Handlungsbedarf für die kommende Regierung, sonst werden viele Unternehmen auch in Zukunft ihre Gewinne auf Kosten der Allgemeinheit erzielen.