Wie Finanzmärkte Ungleichheit verstärken Stimmen von Frauen bei Finanzwende 12.03.2026 Bei Finanzwende haben wir es zu unserer Aufgabe gemacht, uns für Finanzmärkte einzusetzen, die den Menschen dienen. Und zwar allen Menschen. In unserer Arbeit fällt uns immer wieder auf: Frauen und andere marginalisierte Gruppen sind von Fehlentwicklungen und daraus entstehende Benachteiligungen an den Finanzmärkten besonders betroffen: Weniger Einkommen und Vermögen, vor allem im Alter, geringere Erbschaften, erschwerter Zugang zu Kapital. Solche Realitäten sind nicht abstrakt, sondern Resultat von Strukturen, die jeden Tag spürbar sind. Da wir nicht alle Themen gleichzeitig bearbeiten können, ist es uns wichtig, Raum für Perspektiven zu öffnen, die sonst leicht übersehen werden. Finanzmärkte sind nicht neutral, sie haben Einfluss auf die Lebensrealität aller Menschen. Wenn die Hälfte davon in besonderer Weise negativ betroffen ist, müssen wir genauer hinschauen. An dieser Stelle möchten wir Stimmen aus unserem Team teilen: Frauen bei Finanzwende erzählen, welche Finanzthemen aus ihrer privaten Sicht besonders ins Gewicht fallen. Ihre Antworten zeigen: Es geht nicht nur um einzelne, persönliche Entscheidungen, sondern um die Strukturen, die unser Finanzsystem formen und die wir nur gemeinsam verstehen und hinterfragen können. Vermögen und strukturelle Ungleichheit Frauen verdienen und erben weniger, sind stärker von Altersarmut betroffen und erhalten schlechtere Finanzprodukte. Das ist kein individuelles Problem, sondern eine strukturelle Benachteiligung, die wir anpacken müssen. Denn finanzielle Absicherung ist die Basis für ein selbstbestimmtes Leben. Wiebke Johanning, Fundraiserin Finanzmärkte und ihre Folgen im Alltag Wenn Finanzinvestoren Pflegeheim oder Krankenhäuser aufkaufen, geht es vor allem um eines: Hauptsache, die Rendite stimmt. Genau in diesen Bereichen arbeiten überwiegend Frauen - oft schlecht bezahlt und unter großem Druck. Wird Personal eingespart oder werden Gebühren erhöht, spüren sie das doppelt: im Job und zu Hause. Denn gleichzeitig übernehmen Frauen einen Großteil der Sorgearbeit und fangen auf, was von den Finanzinvestoren kaputtgespart wird. Ein Finanzsystem, das auf schnelle Gewinne setzt, verschärft so jeden Tag bestehende Ungleichheiten. Laura Gaißmaier, Referentin Finanzstabilität Vermögen, Macht und politische Einflussnahme Die Vermögenslücke zwischen den Geschlechtern ist besonders bei hohem Vermögen groß. Und da, wo das große Vermögen liegt, liegt auch Macht und Einfluss. Für Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern braucht es eine feministische Steuerpolitik. Sarah Mohamed, Campaignerin Finanzielle Autonomie Altersarmut und Gender Pay Gap sind kein individuelles Problem, sondern strukturelle Realität für viele Frauen. Das können wir nur gemeinsam angehen. Umso hilfreicher kann es sein, dort hinzuschauen, wo wir selbst und allein Entscheidungen treffen können: ein eigenes Konto, eine eigene Altersvorsorge, ein Eintrag im Grundbuch bei gemeinsamem Eigentum. Wer heute die eigene finanzielle Autonomie stärkt, sichert sich Handlungsspielräume für morgen. Stefanie Talaska, Senior Fundraiserin Finanzialisierung und Gerechtigkeit Es spricht wenig dafür, dass die zunehmende Finanzialisierung aller Lebensbereiche ausgerechnet für Frauen mehr Gerechtigkeit oder gar eine stärkere Bewahrung von Frieden und Demokratie hervorbringen wird. Wahrscheinlich wird sie ihnen ebenso wenig helfen wie der Gesellschaft insgesamt. Hinzu kommt ein weiterer, oft übersehener Punkt: Ein großer Teil dessen, was Frauen tagtäglich - neben ihrer Erwerbsarbeit - unentgeltlich leisten, wäre in seiner Menge und Qualität durch den „Markt“ vermutlich gar nicht zu erbringen. Beya Stickel, Office Management Diese Stimmen zeigen: Finanzmärkte sind kein neutraler Raum. Wie sie funktionieren, wer von ihnen profitiert – und wer ihre Risiken trägt – ist auch eine Frage von Macht, Vermögen und Verteilung. Die Perspektiven unserer Kolleginnen machen sichtbar, wo Finanzmärkte Ungleichheiten verstärken, statt sie auszugleichen. Und sie zeigen, warum es wichtig ist, diese Zusammenhänge mitzudenken, wenn wir über Altersvorsorge, Finanzinvestoren oder Vermögensverteilung sprechen. Für uns bei Finanzwende heißt das: genau hinsehen, zuhören und die Perspektiven ernst nehmen, die in finanzpolitischen Debatten oft zu wenig Raum bekommen. Denn nur wenn wir verstehen, wie Finanzmärkte unterschiedliche Menschen betreffen, können wir sie so verändern, dass sie tatsächlich allen dienen.