Prämiensparen: Jetzt Zinsen zurückholen! 21.09.2026 Hunderte Banken und Sparkassen zahlten Kund*innen mit Prämiensparverträgen jahrelang zu wenig Zinsen. Der Streit um die Zinsnachzahlungen beschäftigt die Gerichte seit mehr als 20 Jahren. Im Sommer 2024 klärte der Bundesgerichtshof (BGH) im Grundsatz, wie Nachzahlungen berechnet werden. Weitere BGH-Entscheidungen und auch solche von Oberlandesgerichten (OLG) schlossen sich seither an. Zahlreiche Sparer*innen warten jedoch weiterhin auf ihr Geld. Sehr viele Banken haben bis heute nicht gezahlt. Was Sie dagegen tun können. Mark Branson, Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), verbreitete Zuversicht. Er sei überzeugt, geschädigte Prämiensparer*innen würden „am Ende viel Geld“ erhalten – nicht zuletzt, weil die Bafin sich „bei dem Thema frühzeitig positioniert“ habe. Den geprellten Sparer*innen wünscht man, dass Branson Recht behält. Verdient hätten sie es allemal. Noch immer dürften viele fassungslos sein, wie ihre Geldhäuser beim Thema Prämiensparen mit ihnen umgesprungen sind. Finanzwende setzt sich für einen effektiven Verbraucherschutz im Finanzbereich ein. Jetzt Newsletter abonnieren und auf dem Laufenden bleiben: E-Mail* Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier. Anmelden Unzählige Geschädigte Jahrelang zahlten hunderte Banken und Sparkassen sicherheitsbedachten Kund*innen zu wenig Zinsen auf ihre Prämiensparverträge. Im Jahr 2021 gab es laut Bafin rund 1,1 Millionen solcher Verträge, die neben Zinsen zusätzlich Sparprämien versprechen. Insbesondere Sparkassen vertrieben die Produkte im ganzen Land – und berechneten die Zinsen oftmals falsch. Statt in die Taschen der Kund*innen flossen die Gelder in die Gewinne der Banken. Mittlerweile ist klar, wie die Banken die Zinsnachzahlungen berechnen können. Die beiden grundsätzlichen BGH-Urteile aus dem Sommer 2024 (Az. XI ZR 44/23 und XI ZR 40/23) klärten wichtige Details, mehr als 20 Jahre nach dem ersten höchstrichterlichen Urteil zu dem Themenkomplex. Die Richter*innen legten fest, nach welchem Zinssatz die Nachzahlungen berechnet werden können. Vereinfacht gesagt geht es um den durchschnittlichen Zins von Bundeswertpapieren mit 8 bis 15 Jahren Restlaufzeit. Dieser Zins lag im August 2026 bei 3,24 Prozent. Hohe Nachzahlungen möglich Nun ist klar: Sparer*innen stehen gemäß Referenzzins im Durchschnitt nachträglich rund 1.000 bis 2.000 Euro zu, ermittelten die Verbraucherzentralen. In Ausnahmefällen kann es demnach sogar um mehr als 10.000 Euro gehen. Branchenweit dürften die Nachzahlungen in die Milliarden gehen – sofern alle Geschädigten ihr Geld bekommen. Beim Rückfluss der einbehaltenen Gelder hapert es allerdings noch. Sehr viele Banken weigern sich auch nach den Grundsatzentscheidungen des BGH von 2024, die Zinsen neu zu berechnen und nachzuzahlen. Das zeigt eine Auswertung des Verbraucherzentrale Bundesverbands auf Basis von knapp 300 Reaktionen von Banken und Sparkassen aus dem Jahr 2025. Ein häufig von den Geldhäusern angeführter Grund: Die Urteile zum Prämiensparen seien nicht allgemeingültig und gälten daher nur für Sparkassen, gegen die direkt geklagt wurde. Viele Banken – allen voran die Sparkassen – lehnen eine Zinsnachberechnung deshalb ab. Musterfeststellungsklagen gegen Sparkassen Die Verbraucherzentralen haben daher 18 Musterfeststellungsklagen gegen Sparkassen im ganzen Bundesgebiet eingereicht. Bei den folgenden Instituten steht mittlerweile durch weitere Gerichtsurteile rechtskräftig fest, wie die Zinsen nachberechnet werden müssen: Sparkasse Barnim (Az. XI ZR 64/24) Sparkasse Mansfeld-Südharz (Az. 5 MK 2/21) Sparkasse Nürnberg (Az. XI ZR 29/24) Sparkasse Spree-Neiße (Az. XI ZR 65/24) Kreissparkasse Stendal (Az. 5 MK 1/21) Erzgebirgssparkasse (Az. XI ZR 16/24) Saalesparkasse (Az. XI ZR 40/23) Ostsächsische Sparkasse (Az. XI ZR 44/23) Prämiensparer*innen, die Verträge bei diesen Sparkassen hatten und sich der jeweiligen Musterfeststellungsklage angeschlossen haben, können nun ihr Geld zurückfordern. Bei anderen Instituten können die Gerichte aber noch abweichende Berechnungen für zulässig erklären. Bleibt noch die Sache mit der Verjährung: Betroffene, die sich einer der laufenden Musterfeststellungsklagen angeschlossen haben, müssen sich erstmal keine Sorgen machen – in ihrem Fall ist die Verjährung gestoppt. Für alle anderen Kund*innen gilt: schnell aktiv werden. Das betrifft insbesondere diejenigen, deren Verträge im Jahr 2023 endeten. Ihre Ansprüche verjähren zum Jahresende 2026. Bei Verträgen, die 2022 oder früher ausliefen, können sich die Banken bereits auf die Verjährung berufen. Wie Sie Ansprüche am besten prüfen und Ihr Geld einfordern, zeigen die folgenden Tipps. Unterm Strich: Tipps und Tricks Verbraucherproblem: Unzählige Sparer*innen erhielten von ihrer Bank oder Sparkasse jahrelang zu wenig Zinsen auf ihre Prämiensparverträge. Die beteiligten Institute müssen nachzahlen, sträuben sich aber vielfach noch. Ansprüche zügig prüfen. Wenn Sie alte Prämiensparverträge besitzen, sollten Sie prüfen, ob diese rechtswidrige Zinsklauseln enthalten – unabhängig davon, ob Sie an einer Musterfeststellungsklage teilgenommen haben oder nicht. Auf Grundlage dieser Klauseln passten Anbieter*innen die Zinsen oft nach Gutdünken an – meist zum Nachteil der Kundschaft. Eine Sammlung unwirksamer Zinsklauseln finden Sie unter Verbraucherzentrale.de. Nachzahlung einfordern. Der BGH hat die Zinsberechnung klar geregelt. Sollten Sie Ansprüche haben, fordern Sie Ihre Bank unter Berufung auf die Rechtsprechung zur Nachzahlung auf – zum Beispiel mithilfe des Musterbriefs der Verbraucherzentralen. Gegenangebote kritisch prüfen. Einige Geldhäuser meldeten sich bei geprellten Kund*innen mit Gegenangeboten. Hier ist Vorsicht geboten. Insbesondere pauschale Nachzahlungen können geringer ausfallen als die tatsächlichen Ansprüche. Auch Angebote der Institute zu neuen Zinsanpassungsklauseln können hinter den Maßstäben der Rechtsprechung zurückbleiben. Bleiben Sie skeptisch. Verjährung stoppen. Zinsansprüche können nach drei Jahren verjähren, wenn die Bank den Sparvertrag rechtmäßig gekündigt hat. Zum Jahresende 2026 verjähren etwa mögliche Ansprüche aus Verträgen, die 2023 beendet wurden. Die Verjährung lässt sich am einfachsten mit einer Beschwerde bei der Ombudsperson ihrer Bank hemmen. Sonderfall Musterfeststellungsklage. Nach dem Abschluss einer Musterfeststellungsklage ist Verjährung noch weitere sechs Monate gehemmt. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sie Ihre Auszahlung möglichst innerhalb dieser sechs Monate einfordern. Wenn Ihre Bank sich querstellt Bei der Bafin beschweren. Sie haben Anspruch auf Zinsnachzahlungen, doch Ihre Bank sperrt sich? Beschweren Sie sich bei der Bafin. Erhält die Bafin viele Beschwerden zu einzelnen unwilligen Anbieter*innen, nimmt sie diese möglicherweise verstärkt ins Visier. Rat holen. Bei Schwierigkeiten mit Ihrer Bank oder manchen Detailfragen kann eine individuelle Beratung Sinn machen, beispielsweise bei der nächstgelegenen Verbraucherzentrale. Links zur weiteren Lektüre Finanzwende: Ombudsleute: Im Streitfall lieber erst zum*zur Schlichter*in Stiftung Warentest: Zins-Nachschlag ist fällig – jetzt handeln! Stiftung Warentest: Musterfeststellungsklagen gegen Sparkassen Verbraucherzentrale: Zinsklauseln in Sparverträgen rechtswidrig: So kommen Sie zu Ihrem Geld